Wallis Cross 2015, 2. Etappe: Binn – Brig. Die malerische Tour über den Saflischpass

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Heute geht es über den Saflischpass. Ich war schon zweimal mit dem Bike dort oben und war jedesmal begeistert. Für unseren Wallis Cross lässt sich der Saflisch sehr gut als Etappe einbauen und bietet sich richtiggehend dafür an.

So starten wir am Dienstag, 8. September 2015 morgen in Binn bei noch frischen Temperaturen. Dies wird sich schnell ändern. Nachdem wir im Dorfladen uns mit Schokolade und anderen Esswaren eingedeckt haben, kurbeln wir gemütlich das Lengtal rauf bis nach Heiligkreuz.

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Hier wechselt der Untergrund von Asphalt auf Schotter und auch die Steilheit nimmt zu.

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Wir gewinnen aber recht schnell an Höhe und schon bald erblicken wir Binn, die Ortschaft, in welcher wir letzte Nacht übernachteten.

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Die Bäume werden rarer und das Tal öffnet sich mehr und mehr.

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Nach dem Sickerchäller folgen einige Serpentinen. Inzwischen fährt jeder sein eigenes Tempo, was in Bezug auf den kompletten Cross sicher Sinn macht.

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Bei Brunegge machen wir eine kurze Pause. Hier zweigt die Strasse rechts ab aufs Breithorn. Weiter auf dieser würde man wieder runter ins Tal nach Grengiols gelangen. Dieser Aufstieg von der Gegenseite soll übrigens sehr steil und schwierig zu befahren sein.
Wir gehen aber gerade aus weiter auf den nun beginnenden Wanderweg. Es sind jetzt nur noch rund 200 Höhenmeter bis zum Saflischpass.

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Zu Beginn des Weges sind wir meistens am schieben. Ist die wunderschöne Hochebene, welche sich Tanzbede (oder Tanzboden) nennt, erreicht, gibt es einige herrliche fahrbare Abschnitte.

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Der Trail ist so richtig smoothig, flowig, samtig,… als hätte ein Maler den Pinsel geschwungen und den Pfad in die Wiese gemalt (ob der Maler wohl auch ein Biker war…?).

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Obwohl es immer noch bergauf geht macht dieser Trail einfach Laune!

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So etwa um 12.00 Uhr erreichen wir den Saflischpass auf 2’563m. Der erste grosse Übergang des Wallis Cross ist geschafft. Wir klatschen ab und umarmen uns!

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Natürlich darf als Belohnung ein Mandelgipfel nicht fehlen!

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Nach einer längeren Pause zieht es uns weiter. Der Trail geht in einem ähnlichen Charakter weiter. Meistens flowig, nur einzelne Bachübergänge zwingen uns zum absteigen.

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Wir haben grossen Spass an dieser Abfahrt und werden von den Zuschauern am Wegrand zusätzlich angefeuert!

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Immer wieder sehr schön dieser erste Teil der Saflischabfahrt. Der Begriff Trailsurfen ist hier sicher richtig angebracht.
Nach einem kurzem Intermezzo auf einer Skipistenschotterpiste beginnt auf Fleschbode der nächste Trail.

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Auch dieser ist wunderschön, glänzt mit viel Flow, wartet aber in der zweiten Hälfte mit einigen steileren und technischeren Abschnitten auf. Gefällt uns natürlich erneut sehr gut!

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Beim Weiler Stafel endet der Trail. Weiter geht’s erneut auf einer Schotterpiste bis zu einer Abzweigung eines Suonentrails nach Rosswald. Die letzten beiden Male nahm ich jeweils diesen Trail der Gibjeri Suone entlang. Doch vor zwei Jahren geschah hier ein Unglück…

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…und ich glaube es ist nun das erste Mal, dass ich auf meinem Blog ein paar nachdenkliche Worte wähle…

Im Sommer 2013 verunglückte Hugo Bättig-Koller auf der Saflischpasstour. Er nahm den angesprochenen Gibjeri Suonen Trail. Dieser Trail hat mehrere schmale Stellen. Auf der rechten Seite ist der Bach (also die Suone) und auf der linken Seite geht es einige Mal steil runter. Aus mir nicht bekannten Gründen verlor Hugo das Gleichgewicht und fiel leider die linke Seite den Abhang runter auf die Strasse und verstarb noch auf der Unfallstelle. Ich kannte Hugo nicht persönlich, er war aber Mitglied einer Bikergruppe, in welcher auch mein Onkel dabei war. So war ich da doch etwas näher dran als viele andere.

Seit diesem Unglück hat es beim Beginn dieses Suonentrails ein Bikeverbot. Für mich ganz klar, dass wir heute die Strasse nehmen und das Verbot respektieren – nur schon aus persönlichen Gründen.

Ich möchte keine grosse Kontroverse über dieses Thema auslösen, will aber an dieser Stelle drauf hinweisen, dass sich jeder stets bewusst sein soll, wie seine Fahrtechnik ist, was er/sie fahren kann und was nicht. Auch ich hatte schon Glück, versuche das Risiko aber stets im absoluten Minimumbereich zu halten oder es ganz zu minimieren. Geniesst die Berge, aber fordert sie nicht heraus! Manchmal kann ein kleiner Fehler böse Folgen haben.

Ich kannte die Fahrtechnik von Hugo nicht und war beim Unfall nicht dabei. Deshalb möchte ihm auf gar keinen Fall etwas unterstellen. Aber auch dem erfahrensten und besten Biker kann mal ein Fehler passieren, welcher grob enden kann. Steigt lieber einmal mehr als weniger vom Bike ab oder meidet bei Müdigkeit mal einen Trail ganz. Fahrt nur solche Passagen, wo ihr 100% sicher seit, dass es geht. (Obwohl, gibt es überhaupt eine 100% Sicherheit?)

Das wirklich Allerwichtigste einer Biketour in den Bergen sind ja eigentlich nicht die Trails, sondern dass man am Abend gesund und munter wieder zu Hause ankommt und sich auf die nächste Tour freuen kann. Oder nicht?
Klar, man könnte diese Diskussion jetzt ausweiten und sagen: „Jede Autofahrt ist gefährlich und auch da ist es das Wichtigste, dass man heil zu Hause ankommt.“ Bin ich absolut einverstanden, doch im Verkehr gibt es halt leider auch Drittpersonen, welche man nicht beeinflussen kann. Beim Biken hat man die Geschehnisse aber selber in der Hand.

Ich möchte damit nun nicht die Ausführung unseres Sports in den Bergen in Frage stellen, ich möchte damit nun nicht behaupten: „Biken in den Bergen ist gefährlich“ und ich möchte damit schon gar nicht sagen: „Steigt ab sofort bei jedem Absatz und jeder Wurzel vom Bike“ – mach ich ja auch nicht. Mit diesen Worten möchte ich einfach alle Bikerinnen und alle Biker mal auf die Gefahren hinweisen, welche auf solchen Touren lauern.
Achtet auf Euch und denkt einfach mal einen Moment darüber nach…

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Abgesehen vom vorher geschriebenen ist diese Strasse gar nicht mal so eine schlechte Alternative zur Suone. Vor allem der zweite Teil gewährt einige schöne Aussichten.

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In Rosswald beginnt dann der schon fast legendäre 36er Weg nach Brig runter.

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Dieser größtenteils flowige Weg ist jedesmal eine grosse Freude zu fahren und bildet auch dieses Mal das würdige Finale zur Saflischpasstour.

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Da wir früh starteten, sind wir bereits am Nachmittag in Brig angekommnen. So bleibt genügend Zeit im Britannia Pub mitten in Brig was zu essen. Es ist schon fast Tradition, nach einer Tour mit Ende in Brig ins Briannia Pub einzukehren. Wir sind immer wieder gerne dort.
Im Anschluss ans Aprés Bike kann sich Benno in einem Sportgeschäft noch ein paar Erastzcleats für seine Schuhe besorgen.

Um vier Uhr fährt dann der Bus, welcher uns auf den Simplonpass bringt. Im Hotel Monte Leone ist bereits ein Zimmer gebucht. Nach einem erneut reichhaltigen Abendessen (waren letzten Herbst schon mal dort) fallen wir müde ins Bett und freuen uns bereits schon auf morgen. Dann geht es wieder hoch hinaus!

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Distanz: 32 km / Fahrzeit: 4 h 6 min / Höhenmeter: 1’300 Hm

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14 Gedanken zu „Wallis Cross 2015, 2. Etappe: Binn – Brig. Die malerische Tour über den Saflischpass

  1. Schöne Tour, kommt mir vor als wär ich erst kürzlich die selbe Strecke gefahren…Das mit dem Unfall bei der Gibjeri Suone wusste ich damals (noch) nicht – jedenfalls haben wir damals das Fahrverbot auch respektiert….

  2. Superschöngeschriebenerfotobericht von Walliser-Cross & dies beim schönstem Wetter gespannt auf den nächsten Bericht. Bei mir ist Start-Up mit 4 kleinen Ausflügen mit dem neuen Salsa Bucksaw ( nach 2 Mt. Pause ) fast wie ein Neuanfang !!

    • Danke Dir Shilaty. Der nächste Bericht ist schon fertig und geht nächstens online.
      Dir alles Gute und einen erfolgreichen Wiedereinstieg beim biken. Pass auf Dich auf! 🙂

  3. Ich kann die Jahre schon fast nicht mehr zählen als ich das letzte Mal über den Saflisch gefahren bin. Wäre wohl auch wieder mal an der Reihe 🙂
    Doch noch zum Todesfall. Eine 100%-ige Sicherheit gibt es wirklich nicht, nirgends. Darum mein Motto: Geniesst jede Minute, jeden Tag, jede Biketour, jeden Trail. Wir wissen nicht wann unsere eigene Lebensdauer abgelaufen ist. Man kann ja auch schwer erkranken. Ich habe schon zwei sehr schwere Bikeunfälle live miterlebt. Einer mit gutem und einer mit schlechtem Ausgang. Ich wünsche es niemandem. Also, hebed Sorg, aber hängt das Bike deswegen nicht an den Nagel 😉

    • Dann wird es höchste Zeit für eine Wiederholung!

      Vielen Dank für Deine ergänzenden Worte zum Unglück. Sehr schön geschrieben und genau so meinte ich dies auch. Danke Rotscher!

  4. immer wieder ein leckerbissen die Saflischpasstour und der 36er *i’m lovin it*
    der traurige hintergrund des fahrverbotes kannte ich nicht 🙁 habe mir aber auch schon gedacht, dass da ein sturz fatalste folgen haben kann.

  5. Einfach immer wieder super diese Tour, werde ich wohl noch ein paar Mal unter die Stollen nehmen. Schöne Eindrücke dieser Etappe. Betreffend Risiko ist für mich grad auf dieser Tour immer der Schluss, so wie ich ihn fahre, zwiespältig. Dieser Trail ganz unten der Saltina entlang nach Brig ist halt schon ein abwägen, was man bereit ist zu riskieren. Bei den Suonentrails kommen immer wieder diese Stellen hinzu, wo der Wasserlauf in PVC-Rohren knapp unter der Oberfläche den Weg kreuzt oder darunter verläuft. Da greift kein Reifen! Den Rest hat Rotscher treffend beschrieben. In diesem Sinne, let’s rocket, geniesst jede Tour als wärs die letzte.

    • Der Hinweis mit diesen PVC Rohren ist sehr gut, vielen Dank hierfür! Und zum Rest gibt es, wie Du es auch schon erwähnst, nichts mehr hinzuzufügen.
      Danke für Dein Feedback!

  6. Danke Chregu für den Bericht und die Hintergrundinfos zum Fahrverbot. Kann übrigens Ventoux betreffen Saltina-Suone nur zustimmen, ist definitiv am Limit und verzeiht keine Fehler. Aber eben, nur zum Schwitzen biken die wenigsten, ein gutes Mass an Adrenalin lockt immer. Leider ist man oft erst nach einem Unfall klüger – Holz alänge!

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