Rhein-Walenseecross, 1. Etappe: Andermatt – Brigels

Quelle: Bundesamt für Landestopographie

Es ist mal wieder soweit. Ich gehe auf eine mehrtägige Biketour. Für mich ist dies stets eine tolle Art zu reisen. Man sieht viel und kommt trotzdem sehr gut vorwärts. Wie immer buche ich meine Unterkünfte spontan und schaue einfach mal wie ich vorwärts komme. Natürlich habe ich einen ungefähren Plan, doch der muss nicht zwingend eingehalten werden.

Dieser ungefähre Plan (siehe Karte oben) sieht eine Tour in fünf Tagen von Andermatt zurück nach Hause nach Hildisrieden im Kanton Luzern vor. Natürlich könnte ich da in einem Tag zurück sein, wenn ich zeitig aufbrechen und den direkten Kurs via Kanton Uri und dem Vierwaldstättersee wählen würde. Doch ich will den Weg „aussen rum“ nehmen. Das sollte in fünf Tagen zu machen sein. Zudem gibt’s einige Spots, welche ich schon lange mal befahren und mir anschauen möchte.
Es sind dies die Rheinschlucht, die Bündner Herrschaft, den Churfirstenpanoramatrail oberhalb des Walensees und den Übergang vom Niederurnertäli über die Rossweidhöchi in den Kanton Schwyz. So bieten sich diese verschiedenen Teile perfekt dazu an, ein Puzzle draus zu machen – sprich: eine mehrtägige Biketour!

Natürlich gibt es auf einem solchen Cross auch abseits der genannten Highlights einiges zu entdecken. Das weiß ich bestens von meinen vergangenen Touren. Ich bin sehr gespannt auf die Trails in der Surselva, freue mich auf die Altstadt von Chur (wo ich eine Übernachtung plane) und werde interessiert beobachten, wo die markierten Radwege von Veloland Schweiz zwischen Chur und Walenstadt durchführen werden. Jeweils sehr spannend finde ich auch die vergleiche der Unterkünfte. Diese können sehr frappant sein!

Soviel schon mal vorweg: Trailmässig gibt es bestimmt interessantere mehrtägige Touren. Doch das spielt hierbei eine untergeordnete Rolle. Ich möchte einfach mal diese Gegenden und Landschaften, welche ich bis jetzt nur aus dem Auto und Zug kenne, mit dem Bike auskundschaften. Da kann man viel näher ran und sich Zeit lassen. Und als angenehmer Nebeneffekt werden die Kilo- und Höhenmeter als Training für den Gigathlon bestimmt nicht schaden.

Nun gut, genug Vorgeplänkel. Es geht los – und zwar bei Regen in Andermatt. Das Wetter soll laut Wetterbericht stets besser werden, je länger der Cross dauert. So lasse ich mich durch den Niederschlag nicht beirren. Mit der komplett montierten GoreTex-Regenausrüstung mache ich mich kurz nach zehn Uhr auf zum Rhein-Walenseecross.

Bei frischen Temepraturen starte ich in Andermatt. Unter den Regenklamotten kriege ich schnell warm. Mehr müsste ich nicht anhaben, aber auch nicht weniger. Es ist gerade richtig so. Trotz Regen komme ich bestens voran. Zum Glück ist es mehr oder weniger windstill, so ist der Niederschlag ganz gut auszuhalten.

Schnell wird es weiss um mich und auf der ungefähren Höhe des Nätschens ist die Umgebung um mich mehrheitlich schneebedeckt. Finde ich irgendwie cool, denn ich war noch nie bei solchen Bedingungen über einen Pass gefahren.

Die Strasse ist aber komplett schneefrei und somit kein Problem. Kurz vor der Passhöhe nach der Galerie haben die Schneewände eine stattliche Grösse angenommen.

Auf dem Pass ist dann nichts los. Alle Restaurants haben geschlossen und keine Menschenseele weit und breit. Schon im Aufstieg wurde ich im Schnitt so etwa alle zehn Minuten von einem Auto überholt. Passiert wohl eher selten, dass mir der Oberalp an einem Sonntag quasi alleine gehört…:-)

Auch die Abfahrt auf der Strasse ist schneefrei. Die Trails im oberen Teil sind aber noch zugedeckt.

Doch oberhalb Tschamut ist es dann soweit. Der erste Trail des Rhein-Walenseecross‘ bietet sich mir an und ich lasse mich natürlich nicht zweimal bitten. Wenn auch nur kurz ein doch sehr schöner Auftakt.

Nach Tschamut fahre ich bis Sedrun größtenteils auf der Strasse. Erst im Dorfkern biege ich links ab auf die Senda Sursilvana. Dies ist ein markierter Weg, welcher die ganze Surselva durchquert. Diese Route wird regelmäßig mein Begleiter sein die ersten beiden Etappen.

Etwas oberhalb Sedrun mache ich eine erste kurze Pause. Während ich ein Biberli verdrücke und die Unterkunft für die heutige Nacht buche, fährt der Glacier-Express vorbei. Der Regen hat inzwischen seinen Betrieb eingestellt und das Wetter ist ganz angenehm so.

Die Strecke bis Disentis ist dann sehr schön angelegt und führt alles abseits der Strecke.

Zwischen Acletta und Disentis fahre ich noch den Trail, welchen man sehen kann, wenn man sich in der Luftseilbahn des Skigebiets Disentis 3000 befindet. Schon oft in den vergangenen Skilagern habe ich den angeguckt denn oftmals hatte es keinen Schnee im Dorf unten… Coole Geschichte, dass ich diesen kurzen Trail jetzt auch mal mit dem Bike befahren kann.

Bei der Talstation wird übrigens mächtig gebaut. Was hier genau entsteht, erschliesst sich mir aber nicht.
Weiter geht’s zur Lukmanierstrasse, welcher ich kurz folge. Vorbei an einer Viehausstellung fahre ich den nächsten kurzen Trail zum Zeltplatz Fontanivas. Dieser ist unglaublich schön gelegen an einem kleinen See.

Abwechslungsreich geht’s weiter. Das meiste stets der Senda Sursilvana entlang.

Vor Cumpadials folgt der längste Trail des Tages. Dieser führt in einem steten Auf und Ab dem linken Rheinufer entlang. Das meiste ist flowig und sehr schön. Regelmässig hat’s aber kurze unfahrbare Stellen drin. Grundsätzlich aber eine gelungene Sache.

In Trun mache ich nochmals eine kurze Pause bevor ich zum Aufstieg nach Brigels übergehe. Da geht’s zuerst nach Schlans hoch.

So spüre ich nun doch langsam, wie meine Kräfte schwinden. Der Tag ist schon lang und der Start eines Crosses ist für mich jeweils immer auch ein „Drangewöhnen“ an den Rucksack, welcher doch ein bisschen schwerer ist als auf einer Tagestour.

Ich nehme es gemütlich und komme ganz gut nach Schlans rauf.

Zum Ende wartet ein hartes Stück Arbeit auf mich. Die letzten gut 200 Höhenmeter nach Brigels rauf sind sehr steil und erfordern einiges von mir. Nebst einer Prise Geduld sind auch die allerletzten Körner gefragt. Jetzt spüre ich, dass ich den ganzen Tag keine warme Mahlzeit gegessen habe. Nur Riegel und Biberli reichen dann bei einer solch langen Etappe doch nicht ganz aus.

Nun gut, schlussendlich sind es dann auch nur 200 Hm und bei gemütlichem Tempo schaffe ich es dann noch ganz gut bis Brigels.

Schnell ist meine Unterkunft, das Hotel Surselva, gefunden.

Sehr freundlich werde ich hier empfangen und ich fühle mich von Beginn an sehr wohl. Nach dem vorzüglichen Cordon bleu mit einer ultra knusprigen Panade mache ich noch einen kurzen Verdauungsspaziergang durch Brigels bevor ich relativ schnell ins Bett falle.

Der heutige Tag war sehr erlebnisreich und ich habe viel gesehen. Von den ruhigen, schönen und urtümlichen Bündner Dörfern hat’s einige in der Surselva. Auch morgen habe ich ein paar davon auf meiner geplanten Route drauf. Zudem folgt mit der Rheinschlucht einer der Höhepunkte der Tour. So freue ich mich jetzt schon auf die 2. Etappe und bin gespannt, was ich da alles so entdecken werde.

Distanz: 55 km / Fahrzeit: 4 h 40 min / Höhenmeter: 1’500 Hm

Weiter zur 2. Etappe

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6 Gedanken zu „Rhein-Walenseecross, 1. Etappe: Andermatt – Brigels

  1. Hoi Chregu, immer wieder schön mit dir (virtuell) auf reisen zu gehen und echt mutig, zu dieser frühen jahreszeit schon so ein projekt in angriff zu nehmen. Auf dem seechen bin auch schon als kleiner knirps im schlauboot umhergedümpelt, der zeltplatz ist wirklich ein bijou. Lg Sven

    • Nun, der Oberalp war als offen gemeldet und so sagte ich mir einfach, „versuch’s und fahr los“ 🙂

      Bin zwar noch nicht richtig warm geworden mit Camping, könnte mir aber einen Aufenthalt an diesem wunderschönen Platz durchaus vorstellen!

  2. Schön dass Du wieder unterwegs warst und wir das mit verfolgen dürfen. Bin gespannt wie’s weitergeht und ob Du nochmals in den Schnee kommst (Churfirsten…). Auch ich habe etwas aus meiner früheren Zeit entdeckt, nämlich die Abfahrt in Disentis zur Talstation runter haben wir mal an einem Rennen genau gleich gemacht.

  3. Hoi Chregu, bin gespannt auf Deine neue Tour. Die Gegend von ersten Etappe kenne ich recht gut, aus meiner Schulzeit (Kriens) von den Skilagern in Rueras, später von dem Bike-Marathon Lumnezia Obersaxen.

    • Hallo Shilaty. Schön, dass Du meine Reise mit verfolgst. Die Skilager sind immer tolle Sachen, gehe auch jedes Jahr in eines mit. Liebe Grüsse: Chregu

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