Transalp 2017, 4. Etappe: Bodenalpe – S-charl

Blick aus dem Fenster… es regnet. Somit hat sich der Wetterbericht bestätigt und der vormittägliche Übergang über den Fimbapass könnte etwas ungemtülich werden. Was soll’s, da müssen wir jetzt durch. Hoffentlich ist gestern Nachmittag der Schnee schon ein bisschen geschmolzen. Da es heute auf gut 2’600m rauf geht, könnte dies noch nützlich sein.

Das Frühstück auf der Bodenalpe ist dann ganz gut. Wir kriegen Käse, Aufschnitt und Brot an den Tisch und es gibt für alle genug. Danach ziehen wir wieder die komplette Regenausrüstung an und fahren los.

Es ist heute nicht nur windig und regnerisch sondern auch deutlich kühler als noch gestern. Die Temperaturen bewegen sich im Bereich von etwa 5°C.

Wir lassen uns deswegen nicht beirren und radeln die gut ausgebaute Schotterstrasse zur Heidelbergerhütte hinauf. Gut, geht es gleich zu Beginn an aufwärts. So kriegen wir schnell warm.

Rund eine Stunde nach dem Start überqueren wir zum zweiten Mal auf diesem Trip eine Landesgrenze und sind ab sofort wieder zu Hause. Denn mit der Schweiz passieren wir nun das dritte Land auf unserer Transalp.

Weiter geht’s auf heimischen Boden zur Heidelbergerhütte hinauf.

Egal ob zu Fuss oder per Bike – Benno nutzt jede Gelegeneheit um zu kneippen :-).

Bei der Hütte verharren wir nur kurz, essen rasch einen Riegel und machen uns wieder auf den Weg. Die Hütte gehört übrigens dem Deutschen Alpenverein, steht aber auf schweizer Boden. Sie befindet sich auf Gebiet der politischen Gemeinde Valsot, wird allerdings vom Österreichischen Ischgl (Tirol) aus bewirtschaftet (Quelle).

Wir wollen bei diesen garstigen Bedingungen keine Zeit verlieren und machen uns an den Aufstieg zum Fimbapass ran. Da wandert das Bike gleich ab dem ersten Meter auf die Schulter.

Nach dem ersten längerem Tragestück gibt es immer mal wieder fahrbare Passagen. Gesamthaft geht es 350 Höhenmeter nach oben. Trotz des Wetters ist dies immer noch im ertragbaren Bereich.

Der Trail ist schneefrei und so kommen wir alle etwas frierend aber doch glücklich auf dem Fimbapass an.

Wir sind nicht die einzigen Transälpler, welche an diesem Tag hier rüber gehen.

Auch hier halten wir die Pause kurz. Am Nachmittag soll laut Prognose die Sonne scheinen. Also runter an die Wärme!

Der Trail ist Benno und mir von der letztjährigen Befahrung noch super in Erinnerung. Der machte mega Spass. Doch damals war er staubtrocken. Heute fliessen an einigen Stellen Bäche den Weg hinunter.

Wie wir alle wissen: das Wasser bahnt sich seinen Weg. So wie auf dem nächsten Bild ersichtlich. Aber die Abfahrt gefällt uns auch dieses Mal ganz gut. Natürlich ist trocken immer besser doch wir können auch heuer sehr viel fahren und haben Spass.

Auf 2’000 m ist der Trail dann zu Ende und wir fahren zuerst auf Schotter und danach auf einem weiteren kurzen Trail bis nach Zuort. Da wir nichts zu verzollen haben, können wir gleich mal einen Kleiderwechsel vornehmen. Die dreckigen Regenklamotten bleiben draussen und der Holzzaun wird gleich mal als Garderobe zweckentfremdet.

Auch die Bikes sind fast nicht mehr wieder zu erkennen.

Zur Belohnung gibt es eine feinen Käse-Speckkuchen mit Salat. Unglaublich lecker!

Gleich nach der Mittagspause folgt schon bald der nächste Trail. Mehr oder weniger flowig geht’s ins Val Sinestra runter.

Der Weg ist toll und wie oben erwähnt meistens flowig. Doch aufgepasst auf drei – vier kurze aber knackige Gegenanstiege. Bei Nässe ist bei den Wurzeln Vorsicht geboten.

Ein besonderes Highlight sind die beiden Hängebrücken über die Brancla.

Ein toller Trail, der uns beim Kurhaus Val Sinestra ausspuckt. Nach einem kurzen Aufstieg und einer rassigen Abfahrt auf der Strasse erreichen wir schon bald Sent. Dort lädt der schmucke Ortskern zu einem Photostopp ein. Joki gefällts hier offensichtlich.

Dann geht’s noch eine weitere Stufe runter und wir fahren in Scuol ein. Dort gibt’s in der Pastizaria Cantieni ein Stück Bündner Nusstorte zum Nachtisch! Hier waren wir letztes Jahr schon auf einen Bissen dieser feinen Bündner Spezialität.

Frisch gestärkt starten wir zum Schlussaufstieg nach S-charl. Bei der Brücke, die über den Inn führt, geh’ts los. Von dort hat man einen sehr schönen Ausblick auf Scuol.

Das Wetter hat sich definitiv zum Guten gewendet und bei warmen Temperaturen fahren wir in kurz-kurz nach S-charl rauf.

Bald fährt jeder sein eigenes Tempo und wir geniessen die tolle Landschaft. Wir kommen nun ins Gebiet des Schweizer Nationalparks hinein. Schon so oft war ich in dieser Gegend und habe schon einige geniale Biketouren gemacht. Doch die Schönheit dieser Umgebung zieht mich jedes Mal neu in ihren Bann – so auch heute!

Der Aufstieg ist die erste Hälfte noch etwas steil, wird dann oben raus moderater. Alles in allem ein sehr angenehmer Uphill. Ich komme als Erster in S-charl an.

Schon bald folgen meine Freunde und Joki, der zum ersten Mal hier ist, meint schon kurz nach seiner Ankunft: „Hier ist es so schön, ich glaub ich bleib gleich hier!“

Bevor wir einchecken geniessen wir am Dorfbrunnen noch die letzten Sonnenstrahlen.

S-charl ist ein unglaublich schönes Dörfchen mit zwei Hotels und einer handvoll urtümlich erhaltenen Häusern. Nicht nur Joki fühlt sich gleich auf Anhieb wohl hier…

Unsere Unterkunft ist auch dieses Jahr das Hotel Crusch-Alba am südlichen Dorfausgang. Unsere Bikes dürfen in einem Stall übernachten und wir kriegen zwei Doppelzimmer.

Bevor wir zum Apéro übergehen sammle ich zuerst noch alle schmutzigen Kleider ein und gebe sie an der Rezeption ab. Das Crusch-Alba bietet einen tollen Wäscheservice an. Davon haben wir schon letztes Jahr profitiert und nutzen dies auch heuer wieder.

Während die Waschmaschine ihren Dienst tut, füllen wir unsere Speicher wieder auf. Es gibt einen feinen Salat und zum Hauptgang ein Güggeli mit leckeren Pommes Allumettes dazu. Die Küche vom Crusch-Alba überzeugt uns auch dieses Jahr wieder!

Gesättigt und glücklich dürfen wir nach dem leckeren Essen die gewaschenen und trockenen Kleider wieder entgegen nehmen.
Kaum auf dem Bett ausgeleert beginnt die Sortierei… „Das sind doch Deine Socken…., gehören diese Armlinge nicht Dir…? wo ist mein Shirt…?“… Am Ende haben dann alle ihre sieben Sachen wieder beieinander :-).

Silvan und ich gehen noch kurz raus, um S-charl bei Nacht bildlich fest zu halten.

Danach fallen auch wir müde ins Bett. Der heutige Tag war erneut intensiv und wir haben einiges erlebt. Zu Beginn noch nass und kalt meinte es Petrus am Nachmittag dann gut mit uns. Der Fimbapass war trotzdem ein Höhepunkt, obwohl wir wegen der Nässe dort etwas mehr gefordert wurden als letztes Jahr.

Wie schon beschrieben sind wir im Nationalpark angekommen. Die morgige Etappe wird landschaftlich die vielleicht schönste des ganzen Cross‘ sein.

Ach ja, da war doch noch was… Letztes Jahr verbrachte ich genau diese Nacht hier in S-charl die meiste Zeit auf der Toilette. Aufgrund dieser Magendarm Geschichte mussten wir danach die Transalp abbrechen. So hoffe ich doch auf einen gesunden, tiefen Schlaf und dass ich morgen beim Frühstück richtig zulangen kann – nicht so wie letztes Jahr!

Distanz: 44 km / Fahrzeit: 4 h 59 min / Höhenmeter: 1’600 Hm

Zurück zur 3. Etappe
Weiter zur 5. Etappe

Download

6 Gedanken zu „Transalp 2017, 4. Etappe: Bodenalpe – S-charl

  1. Wie immer – grossartiger Bericht und tolle Fotos – als wäre man mit dabei. Freue mich schon auf das Sahnestück im nächsten Blog, das ich heuer im Juni bei Prachtswetter auch fahren durfte. Ein Alpencross ist ja schon lange in meinem Kopf und deine Erfahrungen sind sehr hilfreich. Ich müsste, wegen meiner defekten Sprunggelenke, eine Route mit möglichst wenigen Trage- und Schiebepassagen auswählen.
    Beste Grüsse Chrigu und weiter so!

    • Vielen Dank Heinz für die netten Worte. Gerne teile ich meine Erfahrungen an die Community weiter. Ansonsten kann man mich auch stets direkt via Facebook, Instagram oder hier im Blog in einem Kommentarfeld direkt anfragen, wenn was ansteht.

      Wir hatten auf unserem Cross immer mal wieder Schiebe- und Tragepassagen. Ich denke, dass man da wohl noch was optimieren müsste, damit es für Dich machbar sein wird.
      Auf jeden Fall ist ein Alpencross (oder auch eine andere mehrtägige Biketour) immer ein Erlebnis. Man sieht so viel und kommt enorm weit in der Gegend herum. Kann ich nur empfehlen!

      Danke Heinz und auch Dir liebe Grüsse
      Chregu

  2. hehe zermatter-werbung im unterendgadin … da kommen schöne erinnerungen hoch bei vielen der fotos, auch wenn sich bei mir der fimberpass etwas anders präsentierte, stelle mir das bei dem wetter (vor allem oben) noch recht tricky vor. und dann ab scoul sonnensschein, kaum zu glauben dass dies alles am gleich tag war. das val s-charl ist einfach traumhaft schön, vor allem die gerölllandschaft am fluss mit ihrem skurrilen gebilden hat auch mich in ihren bann gezogen. dort wo ihr euer nachtlager bezogen habt, bin ich dann abgebogen ins val sesvenna: http://halfmoon-biking.ch/buendnerland/fuorcla-sesvenna/

    • Schau an, Du siehst aber auch alles! Die Windjacke trägt sich einfach gut und ist bequem…:-)

      Trotz des Wetters kamen wir ganz gut rüber. Der Weg war schneefrei und in solchen Situationen entscheidet auch gerne mal das Mentale.
      Die Landschaft ist wirklich unglaublich. Hat was ganz spezielles dort oben!
      Deine Tour ist aber auch nicht schlecht. Wobei, wenn für Dich dreiviertel zu fahren waren, wäre ich wohl knapp die Hälfte gefahren. Daher lass ich das vielleicht besser. Aber Deine Bilder sind der Knaller!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.