Querbeet ins Welschland, 2. Etappe: Lungern – Thun

Ein wunderschöner Tag bahnt sich an. Die Sonne scheint schon beim Frühstück und lässt den malerischen Lungerersee im seinem schönsten Blau erstrahlen.

Ich habe einigermassen gut geschlafen. Ist manchmal so eine Sache mit der ersten Übernachtung auswärts. Aber ich fühle mich gut und freue mich auf den heutigen Tag.

Nach dem Frühstück im Hotel Kaiserstuhl starte ich zur zweiten Etappe meiner Tour. Zu Beginn radle ich dem Westufer des Lungerersees entlang. Der Weg ist ohne jeglichen Verkehr und schlängelt sich leicht oberhalb des Sees durch die wunderschöne Landschaft.

In Lungern kaufe ich im Dorfladen kurz was ein. Unmittelbar danach beginnt der Aufstieg zum Brünigpass. Die Strasse führt neben dem Bahntrasse gut steil bergauf. Dieser Anstieg ist erst seit kurzem geteert, das macht’s etwas angenehmer.

Bei der Burgkapelle geniesse ich die umwerfende Aussicht auf den Lungerersee. Schöner geht’s kaum.

Etwas mehr als 100 Höhenmeter sind es nun nur noch bis zum Brünigpass. Kurze Pause oben und dann ab auf die Abfahrt.

Diese führt mich unspektakulär aber schnell auf der Paßstrasse runter nach Brienzwiler. Eine Ortschaft später erreiche ich Hofstetten. Hier habe ich während dem AareCoronaCross vor vier Jahren übernachtet.

Schon bald öffnet sich mir der Brienzersee.

Vorher düse ich aber noch den Biketrail Brienz-Schwanden runter.

Offen ist momentan aber nur der mittlere Teil. Das Meiste des Trails wurde letztes Jahr während eines Unwetters zerstört. Dieser Abschnitt hier wurde wieder in Stand gesetzt.

Das hat die Trailcrew super hingekriegt hier, doch die Narben des Unwetters sind weiterhin gut ersichtlich.

Unten am See gönne ich mir eine kurze Pause und kaufe in einer Bäckerei was ein.

Dann halte ich mich dem Nordufer und möchte mir die neu ausgeschilderte Bikeroute Brienzersee Bike Nr. 451 anschauen. Den Radweg am Südufer der Aare-Route entlang kenne ich schon.

Also auf ins Unbekannte. Gleich von Beginn an geht’s aufwärts. Als erste Belohnung wartet eine Hängebrücke.

Die Route führt mit stetem Auf und Ab oberhalb des Brienzersees entlang. Die Ausblicke sind klasse und die Wege abwechslungsreich.

In der ungefähren Mitte von Brienz und Oberried wartet die nächste Hängebrücke. Diese ist mit 80m deutlich länger als noch die vorherige. Spektakulär führt sie über Underweidligraben. Die Aussicht auf den See ist phantastisch! Sowieso mag ich die Gegend rund um den Brienzer- und Thunersee sehr. Die kristallblauen Seen und die umliegenden Berge – einfach schön hier!

Nun folgt eine schnelle Abfahrt im Wald bis nach Oberried. Das schöne Pausenbänkli wird für einen Rast genutzt.

Danach wartet der nächste Anstieg auf mich. Bei dieser Tour wird einem nichts geschenkt. Sieht auf der Karte nicht allzu speziell aus, doch geht es eigentlich nur rauf und runter. Am Ende resultieren bei der ganzen Strecke zwischen Brienz und Interlaken doch immerhin 560 Höhenmeter.
Trails sind bis auf die unten abgebildete Passage Fehlanzeige. Eine „richtige“ Bikeroute ist diese Route daher nicht. Aber die Anstiege sind nicht zu unterschätzen, findet man sich einige Male in steilen Schotterrampen wieder.
Alles in allem  ist die Nummer 451 eine sehr schöne Alternative zur Aare-Route auf der anderen Seeseite. Tolle Sache, dass es auf beiden Seeseiten eine verkehrsarme Variante zu fahren gibt.

Nach diesem kurzen aber schönen Trail folgt die nächste Abfahrt, diesmal nach Niederried. Ein aller letzter Aufstieg muss noch sein und ich rausche Richtung Interlaken. Beim Burgseeli in Ringgenberg entscheide ich mich spontan für einen Mittagshalt. Auf das Bad im See verzichte ich, denn der Hunger ist einfach zu gross.

Also dann, guten Appetit.

Einen Augenblick später erreiche ich Interlaken.

Bekanntermassen sehr touristisch, aber mir gefällts trotzdem hier.

Die Etappe ist aber noch nicht zu Ende. Meine Route führt mich nun auf die Aare-Route Nr. 8. Gleich nach Interlaken führt der Radweg der Autostrasse entlang. Man hat zwar genug Platz auf dem Radstreifen, doch der Verkehr ist immens und macht keinen Spass. Ab Därligen wird’s deutlich angenehmer.

In Faulensee mache ich eine nächste Pause. Es ist heiss heute. Die Werte liegen deutlich über 30 Grad. Ein herrlicher Tag eigentlich, doch langsam macht sich Müdigkeit breit. Glücklicherweise habe ich genügend Zeit und kann weiterhin die wundervolle Umgebung geniessen.

Sehr schöner Ausblick auf Spiez.

Trotz nachlassenden Kraftreserven freue ich mich auf den sehr abwechslungsreichen Schlussabschnitt.
Das erste Highlight ist die Überquerung der Kander auf einer tollen Brücke.

Im Glütschbachtal wird’s ein bisschen kitschig. Der gleichnamige Bach schlängelt sich verspielt durch den Wald. Für einen kurzen Moment fühle ich mich wie in einer anderen Welt.

Die Rindfleischhöhle ist der nächste schöne Ort. Der Name kommt von einem rötlichen Algenüberzug. Die ähneln aufgehängten Fleischstücken und gaben den Höhlen somit ihren Namen.
Ich kann keine roten Streifen oder ähnliches entdecken, aber eine Pause ist dieser schöne Flecken Erde alleweil wert.

Weit ist es nun nicht mehr bis nach Thun. Hier beende ich die heutige Etappe. Heisse 73 km stehen auf dem Tacho. Ich bin froh hier zu sein, die Kraftreserven sind für heute aufgebraucht.

Ich checke im Hotel The Lab ein. Von einer Kapsel habe ich auf deren Homepage was gelesen, wurde aber nicht schlau daraus (oder habe es zu wenig genau durchgelesen…).
So bin ich doch etwas erstaunt über die so genannte „Kapsel“. Der Name ist auf jeden Fall Programm und ich brauche einen Moment, um mich mit den spärlich vorhandenen Platzverhältnissen zu arrangieren.

Im Endeffekt kann ich aber all meine Sachen gut irgendwo verstauen. Das Bett ist sehr bequem und die Gemeinschaftsdusche sehr grosszügig und schön. Alles in allem passt das hier!

Thun – einer dieser Spots, den ich schon lange mal besuchen wollte. Ich habe diesen absichtlich als Etappenziel eingebaut, um am Abend genügend Zeit zu haben, mir die Stadt anzusehen.

Das Schloss Schadau befindet sich gleich neben meiner Unterkunft und ist somit die erste Sehenswürdigkeit auf meinem Weg in die Altstadt.

Der See ist wie immer ein Hingucker.

In der City angekommen schaue ich den Surfern zu, die die Wellen bei der Holzbrücke nutzen, um ihren Sport auszuüben.

Und ja, Thun begeistert mich und gefällt mir sehr sehr gut. Natürlich hilft das tolle Wetter, den Aufenthalt zu geniessen.

In einem Restaurant direkt an der Aare gönne ich mir eine leckere Lasagne.

Nach dem Essen schlendere ich noch etwas durch die Gassen und lasse den Abend auf diese Art und Weise gemütlich ausklingen.

Ein intensiver, aber sehr schöner Tag neigt sich dem Ende entgegen. All diese Seen und Gewässer, die ich heute sah, gaben dieser zweiten Etappe ein besondere Note. Und zum Abschluss mit Thun ein wunderbarer Etappenort. Besser hätte es nicht laufen können.
Ich bin gespannt auf die Nacht in der Kapsel und freue mich jetzt schon auf Tag Nr. 3.

Distanz: 73 km / Fahrzeit: 4 h 54 min / Höhenmeter: 1’065 hm

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2 Gedanken zu „Querbeet ins Welschland, 2. Etappe: Lungern – Thun“

  1. Hi Chregu…Danke für diesen (einmal mehr) tollen Reisebericht!
    Bin vor ca. 2 Wochen auch das erste Mal die 451 gefahren (hin und zurück). Wirklich sehr schön und abwechslungsreich. Habe mich noch gewundert, dass die Route als „leicht“ eingestuft wurde. Technisch auf jeden Fall aber ansonsten muss man schon ein bisschen Kondition mitbringen…

    1. Hallo Urs
      Danke für Deinen Kommentar. Ja die Anstiege sind definitiv nicht zu unterschätzen auf der Nr. 451. Aber jeden Fall einen Ausflug wert.

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