Querbeet ins Welschland, 3. Etappe: Thun – Fribourg

Die 3. Etappe steht an und gemäss Prognosen der bisher heisseste Tag des Jahres. Ich komme grundsätzlich gut mit der Hitze zurecht, bin aber schon etwas gespannt, wie das heute mit gut 35 Grad funktionieren wird.

Das Frühstück im Hotel The Lab in Thun ist in Ordnung, die Stimmung aber ein bisschen chaotisch. Eine einzige Mitarbeiterin ist rege damit beschäftigt, mehrere Tische abzuräumen von Gästen, die schon gefrühstückt haben. Gleichzeitig stehen in einer Ecke zwei Personen plaudernd, die scheinbar hier ebenfalls angestellt sind, doch niemand hilft der abräumenden Mitarbeiterin…
Ich habe grundsätzlich gut in der Kapsel geschlafen. Nur die Klimaanlage war ein bisschen gar kühl, doch habe ich mit meiner Hose die Luft etwas umleiten können. Zudem war es sehr ringhörig. Wenn bei der Kapsel nebenan die Person in der Nacht aufs WC ging, war die Türfalle deren laut und deutlich zu hören.
Ein solider Aufenthalt, aber wahrscheinlich würde ich nächstes Mal ein anderes Zimmer oder gleich eine andere Unterkunft berücksichtigen.

Aber alles gut soweit. Auf geh’ts in die Hitzeschlacht!
Ich radle aus Thun raus und suche in Allmendingen eine Bäckerei auf. Dort wird Picknick für den Tag eingekauft. Die Verpflegungssituation ist heute eher mager, was im Umkehrschluss bedeutet, dass ich etwas abseits der grossen Menschenmassen unterwegs sein werde – und das ist gut so.

Die heutige Etappe führt mich komplett auf der Alpenpanoramaroute Nr. 4. Gibt also wieder eine Velotour heute. Schnell wird’s entsprechend ländlich.

In Wattenwil beginnt der erste längere Aufstieg des Tages. Es schon sehr warm, der Anstieg steil, doch ich komme gut nach oben.

Die Ausblicke sind fantastisch.

In Grundbach ist die Passhöhe erreicht und ich rolle in ein einsames Tal rein.

Die Strasse führt gemächlich durch die liebliche Landschaft und nach dem vorherigen Anstieg kann ich es hier gemütlich rollen lassen. Wunderbar!

Ich fahre vorbei an Rüti bei Riggisberg bis in den Rüschegg Graben runter. Dort folgt ein kurzer Anstieg, der mich auf eine wunderschöne Hochebene bringt.

Ich bin nun im Schwarzenburgerland angekommen. Eine der Gegenden, die ich bewusst in diese Tour aufgenommen habe. Ich war noch nie hier. Wunderschöne Region, der Abstecher hierhin hat sich definitiv gelohnt.

In Schwarzenburg fülle ich meine Bidons bereits zum zweiten Mal auf. Genug trinken kann man kaum bei solchen Temperaturen. Auch kaufe ich in einer nächsten Bäckerei nochmals was ein und weiter geht’s. Rasend schnell fahre ich an die Sense runter zur Sodbachbrücke. Hier überquere ich die Kantonsgrenze zu Fribourg. Ein kurzer Aufstieg bringt mich nach Heitenried.

Sofort sticht mir die auffällige Kirche ins Auge. Die schaue ich mir doch etwas genauer an.

Die katholische Pfarrkirche St. Michael in Heitenried ist ein beeindruckendes Beispiel neugotischer Architektur inmitten der ländlichen Gemeinde im Kanton Freiburg. Erstmals urkundlich erwähnt wurde eine Kirche in Heitenried bereits 1228. Bis ins 9. Jahrhundert lassen sich späte Fundamente zurückverfolgen – möglicherweise ist die ursprüngliche Anlage sogar deutlich älter.
Die heutige Kirche wurde in den Jahren 1904–1905 im neugotischen Stil erbaut und 1905 geweiht, als das alte Gotteshaus zu klein geworden war.

Leider ist die Türe abgeschlossen, doch nur schon von aussen ist die Ansicht sehr eindrücklich. Ich nutze den schönen stillen Ort für eine Sandwich-Pause.

Meine Route führt mich weiter gegen Westen. Die Kirche dominiert das Ortsbild von Heitenried und ist von nahezu allen Seiten sichtbar. So erhasche ich nochmals einen Blick zurück und verlasse die Ortschaft nun definitiv.

Es wird wieder ländlich, ständig geht es auf und ab. Hügelig ist es, das Schwarzenburgerland.

Der wunderschöne Ortsplatz von Tafers lädt mich zu einer letzten Pause vor dem Ziel ein..

Ob ich mal zum wandern hier her kommen sollte? Wäre nicht die schlechteste Idee.

Weit ist es nun nicht mehr bis zu meinem Etappenort. Im Hintergrund kann ich schon bald Fribourg erkennen.

Fribourg ist auch einer dieser Orte, wo ich noch nie war. Genau deshalb habe ich mir diese Stadt als Etappenort ausgesucht.

Ich radle durch die Altstadt und kriege schon mal einen ersten Eindruck.

In Villars-sur-Glàne, eine Ortschaft rund 2 km von Fribourg entfernt, befindet sich meine heutige Unterkunft. Bei der Domaine Notre-Dame de la Route checke ich ein und beziehe mein Zimmer.
Das Hotel liegt etwas erhöht auf einem Hügel. Entsprechend hat man eine schöne Aussicht auf die umliegende Gegend. Zudem ist es sehr ruhig hier. In rund drei Minuten zu Fuss gelangt man zu einer Bushaltestelle, wo jede Viertelstunde ein Bus in die Stadt fährt. Also perfekt gelegen.

Ich schlendere durch die Stadt und lasse den Vibe, den die Stadt ausstrahlt, auf mich wirken. Sehr schön hier.

In Fribourg trifft man offene Plätze sowie auch enge Gassen an. Die Altstadt liegt deutlich tiefer als der moderne Stadtteil auf dem Plateau, weshalb man von oben einen guten Blick auf die Dächer und Kirchen der Altstadt hat. Die Saane umfließt die Altstadt fast vollständig in einer engen Flussschleife, was ihr im Mittelalter einen natürlichen Schutz bot.

Ein Stadtbummel macht Hunger, eine Pizza leistet Abhilfe.

Nach dem Essen habe ich noch etwas Zeit. So entdecke ich von der Altstadt oben, dass es an der Saane unten einen Stadtteil gibt, der mir bisher nicht aufgefallen ist. Es handelt sich um „La Neuveville“

Man könnte die steile Treppe runter laufen, oder gemütlich die Standsteilbahn benutzen. Da ich mich sportlich heute doch schon etwas betätigt habe, ziehe ich die Bahn vor.

La Neuveville in Fribourg ist kein eigenständiger Ort wie etwa La Neuveville am Bielersee, sondern ein historischer Stadtteil innerhalb von Fribourg – und zwar ganz unten im Saane‑Tal am Fuß der Altstadt.

Der Name bedeutet wörtlich «die neue Stadt» und bezeichnete im Mittelalter einen neu angelegten Stadtteil, der im 13. Jahrhundert unterhalb des ursprünglichen, älteren Stadthügels erbaut wurde. Die Lage unten im Tal war zwar wirtschaftlich attraktiv, aber hochwassergefährdet und weniger leicht zu verteidigen als der höher gelegene Stadthügel.

Die Lage direkt am Fluss gibt dem Viertel seinen eigenen Charakter, oft etwas ruhiger als oben im Stadthügel.

Ich geniesse meinen Verdauungsspaziergang der Saane entlang. Es ist immer noch schön warm und es ist einiges los am Fluss. Es wird gebadet, grilliert und einfach die Zeit genossen.
Etwas später mache ich mich auf den Rückweg und gelange mit dem Bus wieder zum Hotel.

Ein wundervoller Tag geht zu Ende. Die Hitzeschlacht auf dem Bike durchs hügelige und sehr schöne Schwarzenburgerland habe ich bestens überstanden. Der anschliessende Stadtbummel durch Fribourg war ebenfalls sehr schön. Morgen geht’s weiter.

Distanz: 57 km / Fahrzeit: 3 h 49 min / Höhenmeter: 900 hm

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