Der nächste herrliche Biketag bahnt sich an – es wird der letzte sein. Die Tour endet heute. Einmal mehr ist hochsommerliches Wetter angesagt und es ist bereits am Morgen sehr warm.
Das Frühstück im Hotel de la Truite in Le Pont ist gut und ich bin bereit für den letzten Tanz. Dieser führt mich zu Beginn auf den Pass Petra Felix. Aufgrund der Einfachheit entscheide ich mich spontan, die Strasse rauf zu fahren. Der Verkehr hält sich in Grenzen und ich bin relativ schnell oben. Kurz vor der Bushaltestelle biege ich rechts auf eine schmale Teerstrasse ab.
Gleichmässig geht’s bergauf, schon bald habe ich eine tolle Aussicht aufs Vallée de Joux
Nach rund 300 Höhenmetern zweige ich auf die Bikeroute Nr. 996 Mont Tendre Bike ein. Meine Strecke kriegt nun einen anderen Charakter. Ich rolle abwechslungsweise über feinste Schotterstrassen,
surfe über wurzelige Waldtrails,
rolle über offene Wiesenlandschaften,
und geniesse einmal mehr den Jura in seiner vollen Pracht. Ich könnte gerade kaum glücklicher sein.
Ich bike stets der 996 entlang. Wie es der Name der Route schon verrät, führt mich diese dem Mont Tendre entlang. Ich fahre in einem steten Auf und Ab auf der Nordwestseite dessen.
Die Route bleibt durchgehend sehr abwechslungsreich. Mal Strasse, mal wieder ein smoother Wiesentrail – meistens sehr flowig und bestens zu fahren.
Nach dem Chalet des Combes folgt eine kurze und ziemlich coole Abfahrt.
Ein kurzes Stück Schotterpiste später finde ich mich auf der Hauptstrasse, die zum Col du Marchairuz führt.
Hier entscheide ich mich erneut für die Veloroute Nr. 7 durchs Combe de l’Amburnex. Hier fuhr ich schon vor vier Jahren beim Jura Cross durch und war begeistert von der Landschaft.
Alternativ würde sich die Jura Bike Nr. 3 anbieten, doch gemäss Karte führt diese mehrheitlich durch den Wald ins Tal runter. Deshalb lieber offenes Gelände mit schöner Umgebung.
Tja, was soll ich sagen? ich weiss, ich wiederhole mich. Aber diese offenen, sanften und doch irgendwie wilden Juralandschaften ziehen mich jedes Mal von Neuem in ihren Bann. Auch hier ist es wieder so. Einfach herrlich!
Beim gleichen sehr schönen Rastplatz wie vor vier Jahren mache ich auch heute wieder eine Pause.
Kurz nach dem Break endet dieses wundervolle Hochtal und es geht runter. Hier folge ich weiterhin der Veloroute bis Bassins.
Der Genfersee ist schon in Sichtweite. Es ist jedesmal beeindruckend und gleichzeitig erschreckend, wie schnell man die vorhin langsam erklommenen Höhenmeter innert wenigen Minuten wieder vernichtet – vor allem, wenn man auf Strasse runter fährt. Selber schuld, Chregu!
In Begnins, rund 4 km vor dem Ziel, geniesse ich ein letztes Mal die Aussicht auf den See. Als ich weiterfahren möchte und im Schritttemp0 über den Randstein des Trottoirs rolle, höre ich von hinten ein klimperndes Geräusch, das ich so gut wie nie höre bei meinem Bike.
Was bitte war das denn? Vom Klang her tippe ich als erstes auf einen Speichenbruch. Es vergeht dann über eine Minute, bis ich den Übeltäter finde – tatsächlich ist eine Speiche gebrochen.
Glücklicherweise ist das Malheur gleich neben einer Autogarage passiert. Unglücklicherweise ist aber niemand hier und dem Anschein nach taucht auch niemand nächstens auf. Ich warte noch gute 20 Minuten, in der Hoffnung, mir kurz eine Zange zu leihen (ich selber habe natürlich keine dabei…), um die herumeiernde Speiche zu entfernen. Da niemand kommt, verbiege ich sie so, dass sie ruhig gestellt ist und sich nicht mehr bewegen kann. Danach rolle ich gemütlich runter nach Gland.
Die letzten Kilometer gehen ohne weiteren Zwischenfall über die Bühne. Das Hinterrad macht eine leichte Acht, aber ich kann gut zum Bahnhof runter fahren. Nach acht wundervollen Tagen steige ich in Gland in den Zug ein und trete die Heimreise an.
Was für ein Ende dieses Cross. Ich hatte die vier Jahre, in denen ich Rotkäppchen mittlerweile besitze, noch nie einen Defekt mit ihm. Das war eine Premiere. Aber natürlich ist mir bewusst, dass ich mit einem Speichenbruch 4 km vor dem Ziel sehr gut bedient bin. Da hätten unterwegs etliche mühsamere Dinge passieren können. Daher alles gut.
Im Zug buche ich bereits den Termin bei meinem Velomech, dem A-Team in Beromünster. In drei Tagen kann ich bereits vorbei gehen. Und ironischerweise sollte dieser Besuch noch weitreichendere Folgen haben, als nur die Reparatur dieses Defekts. Dazu mehr im nächsten Bericht.
Aber erstmal bin ich dankbar über diesen wundervollen Cross. Einmal mehr konnte ich von zu Hause aus los fahren und viele, vorher mir unbekannte Gegenden und Ortschaften, entdecken. So viel neues habe ich gesehen auf dieser Tour und das Wetter hat auch mitgespielt. Eine weitere Reise mit meinem Bike, die unvergessen bleiben wird.
Distanz: 45 km / Fahrzeit: 3 h 02 min / Höhenmeter: 670 hm
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