Gravelbike-Tour von Grindelwald auf die Kleine Scheidegg – Sommer statt Ski

„Chregu, fahren wir mal zusammen auf die kleine Scheidegg rauf? Das möchte schon lang mal machen“, so der Aufruf meines Kollegen Kussi. Die letzten vier Jahre waren wir jeden Winter zusammen Skifahren in Grindelwald. Das nächste Treffen im Schnee der Jungfrau-Region steht auch schon wieder. Im Sommer kennen wir die Gegend aber kaum. Zeit, dies zu ändern.

Im Vorfeld diskutierten wir über die Route. Kussi kann gut auf Trails verzichten, obwohl er mit seinem Fully die Tour machen wird. Hauptsache mal rauf auf die Scheidegg. Da es also sehr strassenlastig werden wird, entschied ich mich, mit meinem neuen Gravelbike die Tour zu machen.

Wir starten gemütlich bei der Station Grund und nach ein paar flachen Metern geht’s gleichmässig bergauf.

Wir plaudern über Gott und die Welt, geniessen die Szenerie und fahren gemütlich bergauf – so habe ich zumindest das Gefühl. Kussi meint aber schnell mal, dass es bitte nicht schneller gehen soll.
Da wird mir erst jetzt bewusst, wie der Unterschied zwischen seinem MTB und meinem Gravelbike vorhanden ist. Bei gleichem Material wären wir mindestens ebenbürtig, Kussi wahrscheinlich sogar einen Ticken fitter als ich.

Aber so bin ich klar im Vorteil. Darum klinke ich mich immer mal wieder kurz raus um ein paar Fotos zu schießen. Kussi kann derweil sein Tempo fahren. Natürlich fahren wir trotzdem das Meiste zusammen.

Eine Anmerkung noch zur eingestellten Sattelhöhe, die beim Kauf des Gravelbikes 4 cm tiefer eingestellt wurde, als diese es beim Mountainbike ist; Ich habe bei Touren von zu Hause aus gespürt, dass die Kraftübertragung beim Bergauffahren nicht optimal ist und habe deshalb den Sattel kurz vor dieser Tour einen Zentimeter nach oben gestellt. So bin ich nun bei 75 cm und dies passt vorerst und fühlt sich klar besser an.

Bei der Brandegg ist ein erster Fixpunkt des Aufstiegs erreicht.

Weiter geht’s, immer schön gleichmässig bergauf. Wir kommen sehr gut voran. Verkehr hat’s keinen auf der Strecke.

Je weiter rauf wir kommen, desto eindrücklicher wird die Landschaft.

Die Eigernordwand sieht auch im Sommer sehr imposant aus.

Ich bin weiterhin stark begeistert von meinem neuen Fahhrad und freue mich speziell, als endlich der erste Gravelabschnitt beginnt. Dieses Geräusch, wenn die Räder über den Schotter rauschen, hört sich einfach gut an.

Beim Arvengarten (dort, wo im Winter drei Skilifte in unterschiedliche Richtungen nach oben führen), sind es noch 200 Höhenmeter bis zur kleinen Scheidegg. Kussi meint, ich soll mein eigenes Tempo fahren: „Wir sehen uns oben“.

Nun gut, ich radle los. Kaum links abgebogen schaue ich die folgende, sehr steil wirkende, Rampe an. Ob ich das fahren kann?

Ich kann, aber nur mit größtmöglichen Mühen und einer Herzfrequenz jenseits von Gut und Böse. Und es folgen noch zwei weitere Teilstücke mit bis zu 20 % Steigung.

Ich bringe den kompletten Anstieg fahrend hinter mich, aber zwei-, dreimal auf der allerletzten Rille. Entsprechend ausgepumpt komme ich oben an und muss erstmal durchschnaufen.
Zum Glück hat mir mein Mech Mäsi eine kleinere Übersetzung montiert – die originale wäre mir definitiv zu hart gewesen.

Drei Minuten später kommt auch schon Kussi durch das Tor, welches im Winter den Start zur tollsten Talabfahrt des Skigebiets (die Nr. 22) anzeigt.

Die kleine Scheidegg ist erreicht. Wir entscheiden uns aber gleich, hoch zum Restaurant Grindelwaldblick fahren. Auch da sind Erinnerungen von den vergangenen Wintern vorhanden. Regelmässig haben wir dort gegessen und es war jedes Mal sehr gut.
Auch hier gibt es nochmals eine steile Rampe zu bewältigen. Dann ist erstmal Pause angesagt.

Rösti und Apfelstrudel – da lacht das Herz!

Das Essen ist erneut vorzüglich. Dieser Ort hat noch nie enttäuscht. Natürlich werden wir auch kommenden Februar hier wieder einkehren.
Bevor wir uns auf die Abfahrt machen, gehen wir noch auf die Aussichtsplattform unmittelbar neben dem Restaurant.

Was für eine überwältigende Aussicht hier oben. Es hat sich definitiv gelohnt, dieser Region mal im Sommer einen Besuch abzustatten.

Dann starten wir zur Abfahrt. Bis auf den oberen Teil werden wir die gleiche Strecke runter fahren, wie wir sie am Vormittag schon rauf gekurbelt sind.

Und dieser obere Teil ist an der Grenze des Möglichen für mich. Maximale 25 % Neigung auf Schotter – mit dem Gravelbike ist das eine neue Erfahrung für mich. Ich versuche, so gut es geht mein Rad den Abstieg runter zu zirkeln und bin stets auf der Suche nach der Ideallinie. Gefühlt spüre ich jedes Steinchen und jede Unebenheit.
Kussi hingegen rauscht an mir vorbei und ruft schelmisch zurück: „Chregu, die drei Minuten Vorsprung vom Aufstieg sind dann schnell weg“

Da hat er natürlich recht. Auch wenn es kein Trail ist – in diesem Gelände bei dieser Neigung hat er die klar besseren Karten.

Natürlich machen wir kein Rennen draus und spätestens, als wir wieder den Arvengarten erreichen, fahren wir wieder zusammen.

Der Rest ist schnell erzählt. Wir rauschen die Teerstrasse runter zurück ins Tal und genehmigen uns einen Drink bei der Station Grund.

Ein toller Tag ist zu Ende. Es hat unglaublich Spass gemacht. Kussi, danke für die geile Tour und danke auch für den Shuttle nach Grindelwald. Cool, dass wir die kleine Scheidegg bezwingen konnten.
Und bis zum Winter geht’s nicht mehr so lange wie auch schon. Dann werde ich hoffentlich auch wieder mit den Skis am Start sein.

Distanz: 25 km / Fahrzeit: 2 h 12 min / Höhenmeter: 1’070 hm

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