Start zur 6. Etappe meiner eigenen Tour de France. Heute steht eine leichte Tour nach Albertville auf dem Programm – genau richtig nach den beiden Tagen in den Bergen. Zudem ist am Nachmittag Regen angesagt. Da ist eine frühe Ankunft am Zielort keine schlechte Idee.
Bei leicht trübem Himmel starte ich in Valloire. Gestern auf dem Galibier kam ich mit zwei Tessinern ins Gespräch. Sie meinten, das Tal nach der Abfahrt vom Col du Télégraphe sei fürchterlich zu fahren – kein Radweg, viel Verkehr, immer auf der Hauptstrasse.
Diesen Tipp nahm ich dankend entgegen, denn genau durch dieses Tal führt meine geplante Route. Da die letzten beiden Tage intensiv waren, entscheide ich mich, dieses Stück mit dem Zug abzukürzen.
Die Züge im Tal unten fahren auf dieser Linie nicht so regelmässig. Wenn ich die anvisierte Verbindung um 09.54 verpasse, muss ich knappe zwei Stunden warten – oder ich fahre eben diese fürchterliche Hauptstrasse.
Ich habe auf keine der beiden Optionen Lust und schaue, dass ich zügig loskomme in Valloire. Auch die rund 200 Höhenmeter zum Télégraphe hoch fahre ich schneller als ich es sonst tun würde. Ein kurzer Fotostopp muss dann schon sein. Danach geht’s nur noch bergab.
Nach Ankunft in Saint-Michel-de-Maurienne habe ich zehn Minuten Zeit bis der Zug kommt. Hat also geklappt. Mit der SBB-App kann ich das Ticket lösen, mein Gravelbike kann gratis mitfahren. Funktioniert alles bestens.
Ich geniesse die einstündige Bahnfahrt und freue mich auf den zweiten Teil der heutigen Tour. Ich steige in Chamousset aus. Ab hier sind es noch gemütliche 34 km bis Albertville – das pure Gegenteil vom gestrigen Tag.
Das Bild ähnelt sich nun den ersten Tagen der Tour. Viele schöne Radwege – mal durch Wälder, mal einem Fluss oder kleinem See entlang oder einfach über offenes Gelände. Sehr schön und sehr entschleunigend.
In der Nähe von Sainte-Hélène-sur-Isère mache ich in einem hübschen Park eine längere Pause. Zeitlich passt es bestens, und der Regen scheint noch auf sich warten zu lassen.
Weiter geht’s. Radwege können sie, die Franzosen.
Am frühen Nachmittag rolle ich in Albertville ein. Natürlich möchte ich mir den Olympiapark anschauen. Vielleicht kann ich sogar ins Stadion rein?
Leider Fehlanzeige. Alle Türen sind verschlossen, niemand da, den ich fragen könnte. Dann halt nicht.
Bis zur Innenstadt ist es nicht mehr weit. Der historische Kern von Albertville ist nicht so gross, wie man das vielleicht erwarten könnte.
Aber schön ist es allemal hier.
Und mein Aufenthalt wird noch schöner: Ich entdecke eine Crêperie, und als Schleckmaul kann ich nicht einfach vorbeifahren. Der Bikeständer steht direkt gegenüber – also nichts wie hin!
Ich bestelle mir eine Crêpe Citron meringuée mit hausgemachter Zitronencrème, Schlagsahne, Baiser-Stückchen und Limettenschale. Was soll ich sagen? Einfach himmlisch!!
Der Regen sollte sich gemäss Radar noch ein bisschen verzögern. Deshalb mache ich nach dem genussvollen Dessert eine letzte Zusatzschlaufe nach Conflans hoch.
Dies ist der älteste Teil von Albertville, auf einem Hügel leicht oberhalb der heutigen Stadt gelegen.
Was für ein schöner, beinahe magischer Ort. Hier könnte man ebenfalls übernachten und ich habe mir die Unterkünfte auch angeschaut, mich dann aber für ein Hotel unten in der Stadt entschieden.
Trotzdem halte ich kurz inne und geniesse die warmherzige Atmosphäre, die dieser Ort auf mich ausstrahlt.
Wobei es mit warm im wörtlichen Sinn plötzlich vorbei ist, als es zu tröpfeln beginnt. Schnell runter ins (hoffentlich) warme Hotelzimmer.
Dieses habe ich im Ibis Style Albertville gebucht. Bevor Petrus die Schleusen definitiv öffnet, schaffe ich es gerade noch ins Ziel.
Der freundliche Mann an der Reception kann Englisch und somit der geht der Check-In schnell vonstatten. Ab unter die Dusche und den Rest des Nachmittags verbringe ich mit Vuelta schauen.
Heute ging’s gemütlich zur Sache – und das hat mir bestens gepasst. Trotz eher bescheidenen Kilo- und Höhenmeter habe ich auch heute wieder viel gesehen und entdeckt. Sechs Tage bin ich schon unterwegs in Frankreich, doch meine Tour de France ist auch jetzt noch nicht zu Ende. Morgen geht’s weiter – gut möglich, dass es erneut eher ruhiger zu und her gehen wird.
Distanz: 50 km / Fahrzeit: 2 h 44 min / Höhenmeter: 360 hm


























