Tag 3 meiner Ferien in Andermatt – es geht zum ersten Mal auf die Trails. Dies ist gleichbedeutend mit einem Radwechsel; die heutige Tour werde ich mit meinem Mountainbike fahren.
Die Sonne scheint früh am Morgen und es soll auch heute den ganzen Tag schön sein. In der Höhe wohl wieder mit angenehmen Temperaturen während zu Hause im Mittelland Backofenhitze herrscht.
Das auf 1’440 m liegende Andermatt als Basis für diese Tage zu wählen, war eine gute Idee.
Ich fahre los und biege wie gestern auf den Bikeweg ein, der durchs Urserental führt.
Dieses Mal fahre ich an Hospental vorbei bis ganz hinten nach Realp. Die Strecke steigt meistens leicht an – mit der Ausnahme des kleinen Bergdorfs Steinbergen, wo eine kurze, aber äusserst knackige Rampe raufgedrückt werden darf. Dann geht’s wieder gemächlich weiter bis Realp.
In Realp beginnt der Aufstieg zum Furkapass. Die nächsten 900 Höhenmeter mische ich mich unter die Rennvelofahrer und radle ein gleichmässiges Tempo die Strasse rauf.
Der Anstieg ist in der unteren Hälfte etwas steiler als weiter oben.
Ich komme gut rauf und halte auf der Passhöhe eine erste längere Pause. Der Verkehr hielt sich in Grenzen, es war diesbezüglich sehr angenehm zu fahren.
Ende Juni kann es noch Schnee haben auf dieser Höhe. Das zeigt diese noch vorhandene Schneewand.
Ich geniesse hier oben erstmal ein bisschen die Atmosphäre und verzehre eines der mitgeschleppten Sandwiches.
Wer auf dem Furkapass war, hat diese Strasse, die südwärts dem Hang entlang läuft, vielleicht schon mal beachtet und sich gefragt, wo es denn da hingeht. Ein Blick auf die Karte verrät: Es gibt einen Weg, der einen Bogen ins Tal reinmacht und anschliessend geht’s auf einem Trail runter ins Goms.
Der entscheidende Punkt für uns Biker ist, dass dieser Trail bis vor wenigen Jahren nahezu unfahrbar war, jetzt aber frisch in Stand gestellt wurde und als offizielle Bikeroute von Schweiz Mobil gelistet wird. Es handelt sich hierbei um die Bikeroute Nr. 85 St.-Gotthard-fünf-Pässe-Bike.
Der Blick auf die Karte ist eine Sache, sich das persönlich anzuschauen eine andere – also los!
Zu Beginn geht’s kurz bergauf, bevor der Weg flach wird und ins Tal hineinführt.
Egal wo man sich auf diesem Weg gerade befindet, die Aussicht ist jedes Mal genial.
Wie war das noch mit dem Schnee im Juni? Auch die Schneefelder sind noch nicht alle geschmolzen. Ich komme gut drüber.
Die aperen Passagen sind ein Traum!
Die Aussicht lässt mich regelmässig kurz anhalten und geniessen.
Die nächsten Schneefelder.
Der guten Laune tun sie keinen Abbruch.
Angenehme 23 Grad auf 2’500 m. Da kann man im Juni 2026 nicht reklamieren.
Dann wird’s etwas kompliziert. Der folgende Tunnel ist nahezu mit einem grossen Schneehaufen bedeckt. Komme ich da durch? Muss ich umkehren? Ich bin etwas unsicher, lege Rotkäppchen an den Wegrand und schaue mir das erstmal zu Fuss an.
Dabei stelle ich fest, dass zwei weitere Tunnels folgen und alle sind gut gefüllt mit Schnee.
Ein anderer Biker kommt ein paar Minuten später hinzu. Wir helfen uns gegenseitig und so kommen wir gut an der Seite zwischen Schnee und Tunnelwand vorbei – die Tour kann weitergehen.
Der Trail zeigt sich nun von der schönsten Seite. Ein Weg, der sich der Flanke entlang schlängelt mitten in einer herrlichen Bergwelt.
Ein Traum hier biken zu können. Der Trail ist meistens flowig, hat aber immer mal einen grösseren Stein, einen Absatz oder eine kurze steile Stelle inne. Aufmerksam zu sein schadet nicht.
Auf dem Bidmer endet das flache Trailsurfen und die Abfahrt beginnt.
Das Panorama bleibt einzigartig!
Aber jetzt geht’s definitiv runter.
Stets der Nr. 85 folgend.
Der weitere Streckenverlauf verspricht Fahrspass!
Da haben die Trailbauer ganze Arbeit geleistet – top!
Auch hier gilt: Der Weg ist grundsätzlich flowig, hat aber regelmässig steile Abschnitte drin. Wer seine neuen Bremsbeläge einfahren möchte, ist hier richtig. An einer Passage steht sogar ein Schild mit dem Hinweis, das Bike die nächsten Meter zu schieben.
Kurz durchatmen und die Aussicht geniessen.
Dann wird’s wieder steiler und etwas ruppig.
Beim Punkt 1’917 endet der Trail vorerst und man biegt auf eine Schotterstrasse ein. Die Aussicht aufs Goms – das stetig näher kommt – ist fantastisch!
Etwas weiter unten zweigt die Route links hoch zum Restaurant Hungerberg. Diese Schlaufe lasse ich aus, weil ich gerade keinen Bock auf Trailuphill habe.
Den letzten, sehr lohnenswerten Abschnitt beim Unner Geeredorf nehme ich aber wieder mit.
Glücklich aber auch ein bisschen erschöpft komme ich in Oberwald an. Was war das für eine Abfahrt. Und ja, mich hat’s ein bisschen geschlaucht. Aufgrund der Graveltouren ist mir das Gespür für lange Trailabfahrten ein bisschen abhanden gekommen. Deshalb war es sicher gut, die Erinnerungen an solches Gelände wieder aufzufrischen. Schliesslich soll dieser Trip nicht das letzte Bikeabenteuer in diesem Jahr sein.
Ich fahre gemütlich durch den alten Teil von Oberwald und gönne mir am Bahnhof ein feines Stück Apfelkuchen mit einem Cappuccino. So muss eine Tour aufhören.
Mit dem Zug rolle ich entspannt zurück nach Andermatt und lasse den Abend bei einem erneut hervorragendem asiatischen Essen ausklingen.
Wenn ich mich recht erinnere, war das die erste richtige Biketour seit meiner USA Reise. Eine Verletzung vor einem Jahr plus den Kauf des Gravelbikes haben die Ausflüge auf die Trails etwas dezimiert. Doch der heutige Tag hat mir wieder einmal gezeigt, wie gross meine Freude am Mountainbiken nach wie vor ist. Morgen geht’s weiter, ich freu mich schon drauf!
Distanz: 35 km / Fahrzeit: 3 h 21 min / Höhenmeter: 1’050 hm



















































Danke für den tollen Bericht… muss ich auch mal machen!
Vielen Dank Urs. Ist zur Nachahmung sehr empfohlen :-).
Liebe Grüsse
Chregu
Schön bist du wieder mal auf dem Mountainbike. Habe die Tour letztes Jahr gemacht und sie ist echt der Hammer, Trail wie Ausblicke. Der Schnee in den Tunneln kann aber schon zum Showstopper werden, wenn man zu früh unterwegs ist.
Danke Spoony für deinen Kommentar. Genial, was sie da gemacht haben. Vorher war der Trail glaub so gut wie nicht fahrbar. Und ja, Schnee kann es natürlich schon noch haben Ende Juni in diesen Höhen.
Hehe so ein Zufall, den Furka-Trail habe ich letzte Woche auch gemacht, aber in der leicht erweiternten Variante mit Tällilücke und Tälligrat *g*
Klasse, super Tour. Kann man natürlich so auch machen. Für mich war der Bahnhof Oberwald die perfekte Endstation dieser Tour :-).