Generoso – Bisbino in zwei Tagen, 1. Etappe, 18.06.2014

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Für mich ist Biken am schönsten, wenn eine Tour über mehrere Tage dauert. Und wenn dann so eine Tour auch nur das „Minimum“ von zwei Tagen dauert, so ist das trotzdem immer ein Erlebnis. Man hat keine Hetzerei am Abend mit der Heimkehr und kann den Trip so richtig geniessen. Ich hatte das grosse Glück, am Mittwoch 18.6. frei zu haben. Da am 19.6. bei uns in der Zentralschweiz Feiertag ist, hatte ich also zwei Tage am Stück frei. Ich informierte Silvan darüber, er nahm Kontakt mit Patrick auf und schon waren wir zu dritt. So schlug ich den Monte Generoso als Zweitagestour vor und meine beiden Begleiter waren sofort einverstanden. Hier der Bericht des ersten Tages.

Ein paar Minuten nach elf Uhr kommen wir in Mendrisio an. Hier startet unsere Tour. Wir nehmen es gemütlich, kaufen am Bahnhof noch was ein, denn wir haben ja Zeit.

Als Warmup fahren wir durch den schmucken Dorfkern von Mendrisio. Oder ist das schon eine Stadt? Gemütlich sieht es auf jeden Fall aus.

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Schnell wird es sehr steil und schon bald haben wir eine schöne Sicht auf Mendrisio

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Bei San Nicolao begegnet uns zum ersten Mal das Trasse der Monte Generosobahn. Diese ist aufgrund der Renovierung des Gipfelhotels momentan nicht in Betrieb. Bis oben sind die Geleise der Zahnradbahn unsere steten Begleiter.

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Die Steilheit der Strasse hat nach dem heftigen Beginn spätestens nach Somazzo wieder normalere Züge angenommen und wir kommen sehr gut voran.

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Bei der Osteria la Peonia wollen wir einkehren. Das Schild mit dem aktuellen Angebot steht zwar vor der Türe, doch leider ist es geschlossen.

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So investieren wir die Zeit, welche wir für den Kaffee genutzt hätten, um die Kette von Patrick’s Bike wieder zusammen zu nieten. Kettennieter sein Dank! Moral von der Geschichte: „Auch eine Kette die ganz sicher nicht reisst, kann mal reissen.“ 🙂

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Da Patrick eine Neunfachkassette hat und ich nur ein Zehnfachkettenschloss dabei habe, entfernen wir zuerst das zerrissene Glied. Die nun vorhandene Niete gebrauchen wir dann, um die Kette wieder zusammen zu nieten. Ein Kettenschloss wäre sicher vorteilhafter, da es erstens besser hält und zweitens die Kette wieder gleich lang wäre wie vor dem Riss. Vorneweg sei aber gesagt, dass die Kette sämtlichen noch folgenden, teils starken, Belastungen problemlos stand hielt und bestens ihren Dienst tat. Wie waren wir doch froh, hatten wir dieses kleine und nutzvolle Tool dabei.

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Nachdem der Defekt behoben ist, geht’s munter weiter. Bis zur Bahnstation Bellavista sind es nur noch ein paar Höhenmeter.

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Dort holen wir die verpasste Pause beim Restaurant nach und mit der vorhin gerissenen Kette haben wir natürlich genügend Gesprächsstoff.

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Dieser Platz ist wunderschön und lädt richtiggehend zum Verweilen ein.

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Nach überqueren der Gleise beim Bahnhof staunen wir nicht schlecht über die tolle Aussicht. Der Name „Bellavista“ kommt nicht von ungefähr!

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Ab der Bahnstation Bellavista ist die Strasse zu Ende. Unmittelbar nach dessen beginnt der Trail. Steil und wurzlig präsentiert er sich uns. Nur zu Beginn hat es ein paar fahrbare Stellen. Dies wussten wir aber im Vorfeld und konnten uns darauf einstellen.

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Nachdem wir ein erstes Mal den Wald verlassen, wird der Trail fahrbar. Zudem ist er sehr schön angelegt – so muss Bergauffahren sein.

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Schon bald sehen wir den Gipfel ein erstes Mal.

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Und es ist, als müssten wir uns diesen so richtig verdienen. Denn die letzten knapp 200 Höhenmeter muss das Bike geschultert werden.

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Blick züruck

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Beim Endbahnhof auf dem Generoso ist so gut wie nichts los. Nur eine handvoll Bauarbeiter sind beschäftigt. Das Hotel wird wie schon erwähnt renoviert. Irgendwo habe ich mal gelesen, das ganze Ding bewegte sich und drohte abzurutschen. Von Auge nicht zu erkennen, aber halt doch nicht mehr sicher genug.

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So haben wir unsere Ruhe und können bei der Glaswand des Hotels ein sauberes Selfie schiessen 🙂

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Natürlich muss der Gipfel bezwungen werden. Wer vor ein paar Wochen „SRF bi de Lüüt“ mit Nik Hartmann gesehen hat, weiss was jetzt noch folgt. Vor allem die tollen Aufnahmen, welche gleich nach dem Gipfel gemacht wurden, beeindruckten mich.

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Nicht nur Nik musste damals sein Bike schultern, auch wir.

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Der Aufwand um vom Bahnhof zum höchsten Punkt zu gelangen hält sich zum Glück im überschaubarem Rahmen.

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Trotzdem sind wir natürlich sehr glücklich, als wir oben sind. Ein Gipfel mit dem Bike zu bezwingen ist immer eine tolle Sache!

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Rund eine halbe Stunde lang machen wir Pause und geniessen die tolle Aussicht!

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Vom Gipfel aus ist in der Mitte des Sattels bereits die Alpe Orimento sichtbar. Dort werden wir übernachten.

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Gespannt sind wir natürlich auf den Trail und schwingen uns frisch erholt wieder auf unsere Sättel. Der Beginn entlockt uns bereits die ersten Jubelschreie. Der Teil, auf welchem Nik Hartmann vom Helikopter aus gefilmt wurde, macht auch uns ordentlich Spass!

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Gut 100 Hm später zweigt der Weg scharf links ab und schmiegt sich wunderschön dem Hang entlang. Was für ein genialer Trail – Bikerherz, was willst Du mehr?

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Auf etwa 1’400 Hm wird spürbar, dass wir uns nicht mehr auf schweizer Boden sind. Der italienische Abschnitt der Topo Schweiz Karte stimmt nicht ganz mit der Realität überein.
Irgendwo entscheiden wir uns bei einer Abzweigung für die falsche Richtung. Laut GPS Gerät sind wir zwar stets richtig, später aber werden wir feststellen, dass wir stets circa 50 – 100 Meter oberhalb des richtigen Wegs waren. Das Verrückte ist aber, dass wir trotzdem ständig irgendwas antreffen, was dem Begriff „Pfad“ gerade noch so gerecht wird. Deswegen bemerken wir unseren Fehler nicht.

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Die Bilder sehen etwas harmloser aus, als es war. Aber wie immer bei solchen Übungen heisst es auch diesmal: „Irgendwie geht es immer“.
Kurz vor unserer Unterkunft erreichen wir wieder den richtigen Weg und sind ein paar Minuten später am heutigen Tagesziel.

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Kurz nach fünf Uhr kommen wir bei der Baita di Orimento an.

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Von uns Dreien war noch keiner jemals da, doch die Hütte macht bereits von aussen einen sehr sympathischen Eindruck. Dieser täuscht keineswegs, sind auch die Zimmer und das Restaurant sehr schön. Auch die Bedienung ist sehr freundlich. Wir sind dann aber doch froh, dass von den Gästen jemand Schweizerdeutsch spricht. Das Einchecken wird so deutlich erleichtert Denn von uns kann niemand italienisch und von den Gastgebern keiner Deutsch oder Englisch…:-)

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Und hungrig geht in der Baita di Orimento garantiert niemand ins Bett. Nach einem feinen Salat, gabs den unten abgebildeten Pastateller. Eigentlich haben wir danach alle genug, doch die Wirtin bringt uns doch tatsächlich noch einen Teller mit Fleisch und Gemüse. Wir schauten uns nur ungläubig an und mussten leider einen Teil des Essens aufgrund voller Mägen wieder zurück geben. Es war aber alles sehr lecker.

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Nach einem Grappa zum Abschluss fielen wir müde, zufrieden und satt ins Bett. Bis auf das aller letzte Teilstück war das eine geniale und erlebnisreiche Biketour. Wir freuen uns schon auf morgen, wenn es auf den Monte Bisbino geht.

Distanz: 19.5 km / Fahrzeit: 3 h 30 min / Höhenmeter: 1’300 Hm

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3 Gedanken zu „Generoso – Bisbino in zwei Tagen, 1. Etappe, 18.06.2014

  1. Wow, die Aussicht vom Generoso ist wirklich einmalig. In solchen Fällen lohnt sich jeder Schweisstropfen. Ja, und solche Touren wo man am Abend gemühtlich zusammen ein Bierchen trinken kann ohne nach Hause stressen zu müssen sind herrlich. Ihr macht das perfekt richtig 🙂 Weiterhin viel Spass zusammen!

  2. Sehr schöne Eindrücke einer Gegend, die ich mit dem Bike noch nicht kenne. Ich war mal vor langer langer Zeit auf einer Schulreise auf dem Generoso. Von ganz oben wanderten wir nach Melide runter, ich weiss nur noch, wie wir uns gottlos verliefen und im Gestrüpp umherirrten.

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