Lago di Lugano Umrundung, 3. Etappe: Gavirate – Riva san Vitale

Das Frühstück im Bed and Breakfast La Folaga in Gavirate wurde von Liliane mit viel Liebe zubereitet. Die Brötchen sind frisch und knusprig und die mit Marmelade gefüllten Brioches sind noch leicht warm. Dazu gibt’s einen leckeren Cappucino. So lässt es sich in den Tag starten!

Und dieser könnte knackig werden. Der Aufstieg zum Monte San Giorgio sei nicht alles fahrbar, konnte ich im Vorfeld meinen Recherchen entnehmen. Schauen wir mal… Zuerst geht’s gemütlich dem Lago di Varese entlang. Dort gibt es einen Radweg, welcher den ganzen See umrundet. Einmal mehr stelle ich fest, dass in Italien wohl jedes Tal und jeder See seinen eigenen Radweg hat. Haben wir letzten Herbst schon auf der Transalp festgestellt.

Der Radweg ist sehr schön angelegt und bestens markiert!

Auf der Höhe Capolago verlasse ich den Veloweg und fahre links nach Varese hoch. Ich habe mir im Vorfeld lange überlegt, ob ich mir das überhaupt antun möchte. Doch der auf der Karte schön scheinende Stadtkern von Varese wollte ich mir unbedingt ansehen. So bastelte ich mir eine Route zusammen, um mit möglich wenig Verkehr ins Stadtzentrum zu kommen.

Auf ruhigen Strassen gelange ich an den Stadtrand.

Dort wühle ich mich knappe zehn Minuten durch den dichten Verkehr und schon bin ich im alten Tel von Varese.

Die engen Gassen laden zum bummeln und verweilen ein. Nebst Ausflüge in die Natur habe ich auch gegen einen Städtetrip nie was einzuwenden. Deshalb klar, dass mir Varese sehr gut gefällt. Um den Tag schon zu beenden und hier eine Unterkunft zu suchen ist es aber noch viel zu früh. Eine Brioche-Espresso-Pause in einem der unzähligen Cafées geht immer :-).

Weiter geht’s. Kaum aus dem Stadtkern raus wirds wieder hektischer. Bis Stallazzo fahre ich auf der lauten Strasse, danach wirds wieder ruhiger. Gemächlich radle ich nun Villen und schönen Häusern entlang bis Velmaio.

Beim Fluss Torrente Bevera angekommen mutiert die Strasse schon bald in einen Weg, der aussieht wie eine Panzerpiste. Ein etwas mühsamer Teil, den ich so sicher nicht mehr fahren, bzw. laufen würde.

Bei einem Kieswerk mit einer markanten Bahnbrücke spuckt mich der Weg zurück in die Zivilisation.

Weit ist es jetzt nicht mehr bis in die Schweiz. Nach Clivio überquere ich mehr oder weniger unspektakulär die Landesgrenze und bin, ohne dass ich es gross merke, wieder in meinem Heimatland.

In Azro finde ich beim Dorfeingang die Osteria da Sergio und kann dort bei einem leckeren Essen meine Speicher wieder auffüllen.

Und die müssen voll sein. Denn am Nachmittag wartet der Aufstieg zum Monte San Giorgio.

Zuerst aber erreiche ich mit Meride eine der schönsten und beschaulichsten Ortschaften der ganzen Seeumrundung. Wer alte Häuser und enge Gassen mag und zudem auf der Suche nach Ruhe ist, scheint hier richtig zu sein.

Am westlichen Dorfende beginnt der Aufstieg zum Monte San Giorgio. Gleich von Beginn an zeigt der Weg seine Zähe. Im Stile eines Römerwegs geht’s steil bergauf. Fahrbar sind nur die ersten Meter bis zur Kirche San Silvestro.

Danach ist fürs Erste Schicht im Schacht und ich bin etwa 250 Höhenmeter schiebend unterwegs.

Erst als ich kurz vor Cassina den Grat erreiche, wird’s wieder fahrbar.

Dann weiter mal schiebend und mal fahrend bis Forello.

Ich kam sehr gut voran bis jetzt und so sind die letzten Meter zum Gipfel keine große Sache mehr.

So kommt mein Bike das Schlußstück auf die Schulter. Ein paar Minuten später bin ich oben.

Da ist jetzt erst mal Staunen angesagt. Die Aussicht ist unglaublich!

Ich genieße mein Gipfelglück, esse etwas und lasse die Eindrücke wirken. Der Monte San Giorgio ist übrigens die weltweit bedeutendste Fundstelle für marine Fossilien aus der Mitteltrias (245 bis 230 Mio. Jahren) (Quelle).
So sollte es hier keine Dinos mehr haben aber ich glaube, ein paar Trails sollten vorhanden sein. Dann geh ich die mal suchen.

Ich habe mich für die Abfahrt nach Serpiano entschieden. Da geht es bis Forello den gleichen Weg wieder zurück. Dort dann rechts.

Der Pfad fordert mich gleich von Beginn an. Flowige Stücke hats vereinzelt aber meistens geht’s steinig und steil runter. Absätze und verblockte Abschnitte zwingen mich immer mal wieder kurz abzusteigen.

Das Meiste geht ganz gut, doch gesamthaft betrachtet ist das Ding eine Spur zu schwierig für mich. Hinzu kommt der Umstand, dass ich alleine unterwegs bin. Dann doch eher die Devise „Safety first“.

In Serpiano ist der Trail zu Ende. Wäre diese Ortschaft bei einem nächsten Besuch mein Ziel, würde ich wieder hier runter fahren. Ansonsten dürfte es gerne was anderes sein.

So hoffe ich auf ein bisschen Flow in der Abfahrt nach Brusino Arsizio. Ein weiteres Experiment.

Dieses stellt sich als der klassische Griff ins Klo fest. Stufen noch und nöcher – und eine ist steiler als die andere. An Fahrfluss und Trailrausch ist nicht im entferntesten zu denken. Ich nerve mich ein wenig aber das bringt jetzt nichts.

Nur vereinzelt hat’s fahrbare Abschnitte. Wenn ich mal eine Minute ohne Unterbruch im Sattel bin, ist das jeweils schon viel.

Oberhalb der Ortschaft hats einen weiteren Weg, welcher parallel zum See verläuft. Der hat zwei drei kurze aber giftige Gegenanstiege und am Ende selbstverständlich noch eine handvoll unfahrbare Stufen. Das hätt ich auch gleich sein lassen können, spielt jetzt aber keine Rolle mehr.
Wo ist sie, die fahrbare Abfahrt vom Monte San Giorgio? GIbt es sie überhaupt…?

Ich bin froh, als ich die Seehöhe erreiche. Wie heisst es doch so schön? Mund abwischen und weiter geht’s. Ich radle gemütlich auf der Strasse bis Riva San Vitale. Meine heutige Bleibe ist das Chery B&B mitten im Dorf.

Hier fühlt man sich als Gast gleich von der ersten Sekunde an willkommen. Das Chery macht einen modernen, leicht hippen Eindruck. Alles ist mit Sorgfalt hergerichtet. Auch Gastfreundlichkeit wird gross geschrieben. Die Chefin des Hauses zeigt mir mein geräumiges Zimmer mit Blick auf den Dorfplatz von Riva San Vitale.

Auch mein Bike kriegt einen exklusiven Platz und darf in der Leseecke übernachten.

Nach der leckeren Pizza im Ristorante Sociale (auf der Tipp der Hotelchefin) schlendere ich während der Abenddämmerung noch ein bisschen durch die Ortschaft.

Auch wenn die Abfahrt vom San Giorgio nicht der erhoffte Volltreffer war, geht ein toller Tag zu Ende. Erneut Sonnenschein bei sommerlichen Temperaturen, viel gesehen, gut gegessen und meine Form passt auch. So kann es weiter gehen!

Distanz: 55 km / Fahrzeit: 5 h 40 min / Höhenmeter: 1’400 Hm

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4 Gedanken zu „Lago di Lugano Umrundung, 3. Etappe: Gavirate – Riva san Vitale

  1. Toller Bericht, Chrigu!

    Ich bin ja froh, das ich nicht der einzige bin, dem solche „Routenplanungs-Fehler“ unterlaufen… Bei unsere letzten Tour ( http://www.mtb-emmental.ch/grenchenberg-stallflue/ ) fühlte ich mich auch so. Für mich wärs ja noch halbwegs ok gewesen (…wer sein Bike liebt, tragt es auch mal… 🙂 ), aber für meine Liebste, die auch dabei war, wars wirklich nicht mehr schön… das hat dann auch dazu geführt, dass ich mehre male erst mein Bike hochgetragen habe, dann wieder runter, und das Bike meiner Liebsten hochgetragen habe… erst ab der Stallflue, meine Liebste hatte mittlerweile die Lust am Biken etwas verloren, war es wieder lückenlos fahrbar und am Ende mit wirklich super tollen Trails. Die haben dann alles wieder ins Lot gebracht, auch wenn ich die alleine gefahren bin, denn meine Liebste hatte sich sinnvollerweise für das Strässchen hinunter entschieden und wir haben uns unten am Waldrand wieder getroffen! So war der Bike-Tag für alle irgendwie gerettet.

    Happy Trails
    Marc

    • Hey Marc,

      Danke für Deinen ausführlichen Kommentar. Dass der Aufstieg zum San Giorgio nicht fahrbar war, konnte ich aufgrund vereinzelt vorhandenen Berichten im Netz in etwa erwarten. Das war von dem her auch kein Problem. Nur hätte ich gerne die Abfahrt gerne etwas fahrbarer gehabt.

      Dein Bericht ist aber klasse. Ich habe das mit einem Kollegen mal gemacht, aber von der anderen Seite her. Wir sind damals auf dem Weissenstein gestartet und dann via Küferegg und Stallflue zum Grenchnerberg rüber gefahren. Hatten auch einige unfahrbare Passagen drin aber alles in allem war es eine ziemlich coole Tour!

      Liebe Grüsse
      Chregu

  2. Von dem gipfel war ich schon nach deinen insta-bildenr angefixt. Auf der ostseite über Albio runter nach Riva San Vitale soll ganz gut sein 😉

  3. Tja, dann musst Du da auch mal rauf…:-)
    Das Ride hat auch schon einen Bericht über eine Abfahrt nach Riva San Vitale publiziert. Die meinten, sie sei sehr anspruchsvoll. Und wenn die das schreiben, dann gibt es für mich dort wohl nichts zu holen. Bin mir jetzt aber nicht ganz sicher, ob sie den gleichen Trail nach Riva runter meinten, wie Du. Aber für Dich wäre das sicher was 😉

    Liebe Grüsse,
    Chregu

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