Transalp 2017, 9. Etappe: Storo – Riva del Garda

Das Ziel für den heutigen Tag ist grundsätzlich klar. Wir wollen finishen! Es ist aber noch nicht ganz klar, ob wir es auch tatsächlich schaffen werden. Joki bekundete die letzten beiden Etappen etwas Mühe. Die Kraft ist nicht mehr ganz so vorhanden wie noch zu Beginn unserer Reise. Deshalb haben wir mit dem Rifugio Garda auf dem Tremalzopass eine mögliche Unterkunft im Visier. Ob wir diese Option ziehen werden, sehen wir dann. Schlussendlich werden wir die Entscheidung Joki überlassen.

Bevor wir uns aber über eventuelle Unterkünfte unterhalten gilt es zuerst den eben angesprochenen Tremalzopass zu bezwingen. Um die bevorstehenden rund 1’400 Höhenmeter zu packen braucht’s erst mal ein reichhaltiges Frühstück. Und genau so eines wird uns im Agritourismo La Polentera aufgetischt. Brot, Käse, Parmaschinken, Früchte und Kuchen – es ist alles dabei was das Herz begehrt. Auch hier wieder mit viel Liebe zum Detail gemacht.

Während des Frühstücks regnet es draußen und Petrus macht keine Anstalten, dies in nächster Zeit zu ändern. Deshalb lautet das Tenu einmal mehr „Gore-Tex komplett“ und wir begeben uns nach dem Auschecken nach draussen.

Kurz in Storo noch was eingekauft und schon beginnt der Aufstieg. Zuerst geht es auf der Haupstrasse ein enges Tal zum Ampolapass rauf. Der Verkehr hält sich an diesem nassen Sonntagvormittag zum Glück etwas in Grenzen.

Kurz vor der Passhöhe hat der Niederschlag aufgehört und Benno bereits auf kurz/kurz gewechselt. Für mich als Gfröörli kommt das noch etwas zu früh :-).
Auf der Passhöhe des Ampolas, wo man – Zitat Joki – relativ schmerzfrei zum Gardasee runter fahren könnte, biegen wir rechts ab. Hier beginnt der eigentliche Aufstieg zum Tremalzo. Und natürlich kommt auch Joki mit, obwohl wir ihm natürlich die Wahl liessen…;-)

Der durchwegs asphaltierte Aufstieg ist mehr oder weniger gleichmäßig steil und fährt sich eigentlich ganz gut. Es nieselt ein bisschen und wir haben die Hoffnung, oben noch aus dem Nebel zu kommen. Doch dem wird leider nicht so sein.

Schlussendlich kommen wir alle beim Rifugio Garda an. Das wäre die mögliche Unterkunft, um den Tag hier zu beenden. Doch als Joki in die Gaststube rein kommt, gibt er sich entschlossen: „Ich bin zwar erschöpft, aber wir ziehen das Ding heute bis zum Lago durch!“

Das ist doch mal eine Ansage! So genießen wir eine feine (und dringend benötigte) Portion Pasta und freuen uns auf den letzten Teil unserer Transalp. In ein paar Stunden werden wir die Alpen überquert haben.

Weiter geht’s, wieder bei Regen. Das letzte steile Stück bis zum Scheiteltunnel muss nun noch überstanden werden. Dort ist dann der höchste Punkt des Tages. Die Strasse ist seit dem Rifugio nicht mehr asphaltiert und teils sehr ruppig. Da wird gleich mal ein erster Teil der vorher gegessenen Pasta verbrannt.

Beim Tunnel angekommen gehen wir gleich mal ein Stück weit rein. Somit sind wir im trockenen. Es ist kalt, nass und windig. Die Freude über den eigentlich großartigen Moment hält sich in Grenzen…

Nun gut, jetzt geht’s runter. Auf der Seeseite ist die Tremalzostrasse sehr spektakulär angelegt. Viele Serpentinen, welche man schon von weit oben sieht, ziehen sich den Berg runter. Ein Trail wäre cooler, sieht aber trotzdem geil aus. Mir gefällt’s!

Die Strasse auf der Südflanke – auf welcher wir uns jetzt befinden – ist für den motorisierten Verkehr gesperrt, da es Steigungen von bis zu 14 % auf teils ruppigen Schotter gibt. Zudem ist die Strasse eng und es gibt kaum Ausweichmöglichkeiten. Für und Biker passt das aber ganz gut so!

Dann können wir auf einmal den Gardasee erkennen. Wenn auch nur erst ein kleines Stück davon, fühlt sich das doch ganz gut an.

Weiter schlängeln wir uns die beeindruckende Strasse runter. So was sieht man nicht alle Tage!

Die Ausblicke zum See werden immer weiter und grösser!

Da darf ein erstes Gruppenfoto nicht fehlen!

Nachdem wir beim Passo Nota die imposante Strasse verlassen haben wird die Route abwechslungsreicher. Ein toller Trail, meistens flowig und spaßig zu fahren, wird einige Male mit knackigen Gegenanstiegen unterbrochen. Der Finish muss verdient sein!

Vor allem der Abschnitt zwischen dem Passo Guil und der Malga Palaer ist ganz grosses Bikekino. Trotz der Nässe fährt sich dieser Trail sehr gut! Aber aufgepasst auf die giftige Rampe vor dem Passo Rocchetta.

Ab der Malga Palaer entdecken wir immer mal wieder einen Trail, der abzweigt. Wir haben aber keine Lust auf Experimente und sehnen uns langsam aber sicher nach einer heissen Dusche. Deshalb bevorzugen wir die Strasse bis nach Pregasina.

Von dort weg folgt das letzte Highlight unserer Reise. Wir fahren oberhalb des Sees der Felswand entlang auf der abenteuerlichen Ponalestrasse.

Unser Zielort Riva del Garda ist schon in Sichtweite. Bald ist es geschafft!

Die geniale Ponalestrasse ist jetzt quasi der Zielschuss unserer neuntägigen Reise. Wir genießen jeden Meter.

Gleich da vorne…

…ja Joki, genau dort…

..und dann fahren wir alle gemeinsam auf der Piazza Catena ein. Wir haben es geschafft und innerhalb der letzten neun Tage die Alpen überquert! Ein großartiges Gefühl!!

Inzwischen hat sogar der Regen aufgehört. Somit steht dem Finisherfoto nichts im Wege!

Nicht nur wir haben zwischendurch etwas gelitten, auch das Material wurde in Mitleidenschaft gezogen. Meine Schuhüberzüge sind völlig hinüber und ich schmeiße sie gleich in den ersten Abfalleimer, der mir begegnet. Silvan musste sich in Scuol eine neue Regenhose kaufen und Joki brachte seinen rechten Schuh nicht mehr aus der Klickpedale…

Aber egal. Das Wichtigste ist ohnehin, dass wir ohne nennenswerten Sturz und ohne einen einzigen Platten (!) ans Ziel gekommen sind. Zudem fuhren wir während der fünften Etappe einen Vorsprung heraus und waren daher einen halben Tag früher in Riva als geplant. Deshalb muss die heisse Dusche noch etwas warten und wir widmen uns der Disziplin „Aprés-Bike“. Das können wir auch ganz gut und selten haben wir uns einen Drink so verdient wie heute!

Schlussendlich checken wir dann im Hotel Bellavista ein. Die Zimmer sind etwas gar klein aber für zwei Nächte passt es. Am Abend gönnen wir uns eine sehr leckere Pizza. Silvan schießt während dem Verdauungsspaziergang ein paar sehr gelungene Fotos von Rivas Altstadt!

Den Montag verbringen wir noch in Riva. Ein Stadtbummel, ein bisschen shoppen und hie und da einen Kaffee – in etwa so sieht der erste bikefreie Tag seit 9 Tagen aus. Am Dienstag geht es dann während einer elfstündigen (!) Rückreise via Rovereto, Verona und Milano wieder nach Hause. Das ist fast so anstrengend wie eine der vergangenen neun Transalpetappen.

Das war’s. Hiermit enden die Berichterstattungen zu unserer diesjähriger Transalp. Es freut mich extrem, dass wir es dieses Jahr endlich gepackt haben und wir unsere Gruppe mit Silvan und Joki sogar noch auf vier erweitern konnten.
Für Benno war es bereits der dritte Versuch. Vor ein paar Jahren meldete er sich zu einer geführten Tour an, welche mangels Teilnehmer kurzfristig abgesagt wurde und letztes Jahr mussten wir aufgrund meiner Magen-Darm Geschichte abbrechen. Somit war es auch für mich bereits der zweite Anlauf. Umso schöner, dass es dieses Jahr klappte und wir uns durch nichts aufhalten liessen!

Wir hatten so gut wie nie Probleme unterwegs, bloß eine handvoll kleinere (und zum Glück folgenlose) Stürze und keinen einzigen Platten oder sonstigen Defekt. Nur das Material (siehe oben) wurde etwas überdurchschnittlich in Mitleidenschaft gezogen. Aber bei den teils garstigen Bedingungen, welche wir hatten, kam dies nicht überraschend.

Auch der Spirit innerhalb unserer Gruppe war stets positiv. Während den neun Tagen unterstützten wir uns immer und nicht zuletzt deswegen wird mir diese Reise auf ewig in bester Erinnerung bleiben.

Für uns alle war es die wohl grösste Herausforderung auf dem Bike, welche wir je gemacht haben. Ich persönlich habe schon drei neuntägige Touren hinter mir, doch keine davon hatte so viel Höhen- und Kilometer wie diese Transalp. Da wurden neue Maßstäbe gesetzt und wir können alle stolz sein auf uns!

Abschliessend kann ich nur sagen: „Jung es war geil mit Euch und ich freue mich schon auf die nächste Tour!“

Distanz: 51 km / Fahrzeit: 4 h 40 min / Höhenmeter: 1’700 Hm

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14 Gedanken zu „Transalp 2017, 9. Etappe: Storo – Riva del Garda

  1. Grossartig! Hab ich euch von Herzen gegönnt, dass es dieses Jahr geklappt hat. Für uns Blog-Besucher fast ein bisschen schade, dass die Tour zu Ende ist. Ich freue mich aber schon auf die Nächsten. Herzliche Gratulation euch allen zur Alpenüberquerung.

    • Heinz, die nächste Tour kommt bestimmt. Vielen Dank für Deine Glückwünsche. War schon eine richtig tolle Geschichte, diese neun Tage. Werden wir bestimmt nie mehr vergessen!

    • Das werden wir sehen. Mein Focus leistete einmal mehr einen sehr zuverlässigen Beitrag während der Tour und ich fühle mich immer noch pudelwohl auf dem Bock. Ich kaufe grundsätzlich erst was neues, wenn das bisherige nicht mehr brauchbar oder kaputt ist. Daher gäbe es eigentlich (noch) keinen Grund, etwas neues zu kaufen. Das Bike in Zermatt mit den Plusreifen machte aber schon ordentlich Laune 🙂 wir werden sehen…

  2. schade gestaltete sich das ende so feucht und grau, aber anyway, an dieses abenteuer werdet ihr euch wohl noch im hohen alter mit freude daran zurückerinnern. hat spass gemacht euch hier auf eurem trip zu belgeiten 🙂
    … der Focus nachfolger wird wohl bei den reifen ein + haben *g*

    • Tja, das Wetter kann man sich halt nicht aussuchen. War trotzdem ein toller Abschluss und während der Zieleinfahrt war es ja trocken. Zu einem allenfalls neuem Bike siehe Kommentar oben…:-)
      Liebe Grüsse Chregu

  3. Ganz geil Chregu & Co !!! Tolle Beiträge … dieses Abenteuer werdet ihr nie vergessen. Genau hier zeigt sich doch eine wahre Freundschaft untereinander, mit Rücksichtnahme und Unterstützung, ohne dauerndes Ego … Alles Gute euch allen, weiter so. Und … bin gespannt auf den Nachwuchs im Bikekeller

    • Es steht und fällt mit den Personen und Menschen, mit denen man eine solche Tour fährt. Und das passte hier wirklich sehr gut!
      Danke Dir vielmals Rotscher!

  4. Schön dass ihr es alle ohne grössere Zwischenfälle ins Ziel geschafft habt….Wenn ein Teilnehmer während der Tour ausfällt, hinterlässt das immer einen schalen Nachgeschmack (kürzlich erlebt)….
    Das Gefühl am Ziel zu sein, ist meistens das schönste, auch wenn manche die Eindrücke erst später verarbeiten..
    Die Gruppendynamik und Stimmung ist wahrscheinlich das wichtigste – da steht man dann auch solche Schlechtwettertage gemeinsam durch.
    Apropos Zug in Italien: Obwohl viele nörgeln: Wir sind halt verwöhnt in CH!

    • Danke Dir vielmals. Wir waren wirklich sehr dankbar, dass wir ohne grössere Zwischenfällte ins Ziel kamen. Ohne eine gute Gruppendynamik hätten wir die Schlechtwetterpassagen sicher nicht so gut über die Runden gebracht!
      Und das mit dem ÖV gebe ich Dir absolut recht. Wir haben es wirklich sehr gut in der Schweiz!

  5. Ciao Chregu. Hammer Bericht von dir *top* hat mir jeweils grosse Freude bereitet, die einzelnen Etappen—Berichte zu lesen. Nur eines hat gefehlt: der obligate Sprung in den Gardasee :-)))

    Happy Trails
    Reto

    • Hey Reto, vielen Dank Dir. Den Sprung in den Gardasee haben wir schon gemacht aber erst einen Tag später. Zudem nicht mit den Bikekleidern sondern „ganz normal“ mit Badehose. Deshalb verdiente dieser keine Erwähnung in meinem Bericht :-).

      Liebe Grüsse
      Chregu

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