Transalp 2017, 6. Etappe: Bormio – Gaviapass

Da wir gestern etwas weiter voran gekommen sind als geplant, wollen wir den dadurch erarbeiteten Vorsprung nutzen und auch heute wieder etwas weiter fahren. Ursprünglich geplant ist die Übernachtung im Rifugio La Baita, welches sich im Aufstieg zum Passo dell’Alpe befindet. Wir liebäugeln aber bereits schon am Start mit dem Gaviapass als Etappenort. Gebucht ist noch nichts, wir schauen mal wie weit wir kommen.

Bevor wir losradeln, gilt es noch das üppige Frühstücksbuffet im Hotel Baita dei Pini in Bormio zu geniessen. Zu erwähnen ist da noch die grosse Auswahl an Kuchen und Süssigkeiten. Natürlich langen wir auch zu.

Nach dem auschecken sind wir schnell aus Bormio raus und radeln talwärts der Adda entlang. Meist auf dem Radweg, dazwischen ein paar Abschnitte auf der Strasse.

Eine knappe Stunde später sind wir in Le Prese. Dort beginnt der Aufstieg zum Passo dell‘ Alpe. Rund 1’500 Hm warten die nächsten Stunden auf uns.

In Frontale fahren wir an einer kleinen Kaffeebar vorbei. Spontan entscheidet sich Benno für eine kurze Pause. Auf einen Espresso in Italien kann auch ich fast nicht verzichten und leiste ihm gerne Gesellschaft. Joki und Silvan entscheiden sich derweil weiter zu fahren.

Stets etwa gleich steil geht es weiter den Berg rauf. Wir kommen auch heute sehr gut voran und passieren mit Fumero das nächste Dorf.

Kurz darauf geht der Aufstieg ein zweites Mal los. Die ersten 700 Hm haben wir bereits geschafft doch das war noch der gemütlichste Teil. Denn jetzt folgt eine steile und äusserst ruppige Steinstrasse bis zum Rifugio La Baita rauf. Wir trauen unseren Augen kaum, als wir realisieren, dass wir da jetzt rauf müssen.

Nun gut, auf in den Kampf! Die Herausforderung wird angenommen und mir gelingt es tatsächlich, jeden einzelnen Meter dieser heftigen Steigung zu fahren. So etwas hatte ich glaub noch nie unter den Stollen! Kommt auf den Fotos übrigens nicht halb so steil und schwierig rüber, wie es in Wirklichkeit ist. Ich glaube ich übertreibe nicht, wenn ich diesen Aufstieg als ein Monster bezeichne!

Kurz vor dem Rifugio gelangt man ins nun offene Val Rezzalo. Eine Möglichkeit also, den Puls etwas herunter kommen zu lassen. Wunderschön hier!

Eine letzte kurze Rampe und ich fahre auf den Vorplatz des Rifugio La Baita ein.

Meine Freunde kommen kurz darauf auch und wir geniessen zusammen eine leckere Portion Pasta. Wir werden sehr freundlich bedient und die Portionen haben eine Grösse, wie wir Biker uns dies wünschen.
Das hier wäre die ursprünglich geplante Unterkunft gewesen für die heutige Nacht. Da wir aber wie oben erwähnt seit gestern etwas Vorsprung haben, entscheiden wir uns definitiv, die heutige Etappe bis zum Gaviapass durch zu ziehen.
Gemütlich wäre es hier aber alleweil um den Tag zu beenden. Auch einen Aussen-Whirlpool ist vorhanden…:-)

Nach dem feinen Essen schwingen wir uns wieder in die Sättel. Noch 600 Hm bis zum Passo dell‘ Alpe warten auf uns.

Die nehmen wir mit einer weiteren steilen, aber nicht ganz so ruppigen, Schotterpiste in den Angriff. Trotzdem werden wir wieder heftigst gefordert. Der Aufstieg zum Passo dell‘ Alpe verlangt uns alles ab!

Kurz bevor die Strasse zu Ende ist, gelangen wir auf eine weitere sehr schöne Hochebene. Es ist schlicht traumhaft hier oben!

Der Schlussabschnitt ist dann ein Singletrail mit ein paar fahrbaren Abschnitten, je nach Kondition. Mehr als die Hälfte wird geschoben da sich die vergangenen Stunden nun langsam bemerkbar machen.

Wir sind mutterseelen allein während des Aufstiegs und auch auf dem Pass treffen wir keine weiteren Wanderer oder Biker an. So geniessen wir die Ruhe hier oben und freuen uns darüber, dass wir diesen harten Aufstieg alle geschafft haben!

Da ist ein kleines Nickerchen des Verfassers dieser Berichte durchaus verdient :-)! Da wir zeitlich gut dran sind, liegt das durchaus drin.

Nach der ausgedehnten Pause beginnt die Abfahrt mit einem ultraflowigen Trail. Nach dem happigen Aufstieg ist dies für uns exakt das Richtige jetzt!

Leider (zum ersten) ist dieser Trail nicht allzu lange und leider (zum zweiten) verpassen wir einen Abzweiger zu einem weiteren Trail auf der anderen Bachseite. Was soll’s, wäre ja auch nicht sooo lang gewesen.

Daher sind wir rasch an der Gaviapaßstrasse unten. Dort warten die letzten 300 Hm Aufstieg auf uns.

Rifugio Bonetta am Passo Gavia – da wollen wir hin. Nur noch 4,5 km. Ob es noch Platz hat? Als Alternative würde sich das Rifugio Berni anbieten, doch dann müssten wir wieder ein Stück zurück fahren. Hoffen wir mal das Beste!

Eine knappe halbe Stunde später bin ich auf dem Pass oben und gehe sofort ins Rifugio rein. „4 Personen, kein Problem. Wir haben noch Platz.“
Sehr gut, auch die nächste Bleibe ist gesichert. Kaum verlasse ich die Hütte wieder treffen auch schon Silvan, Benno und Joki ein. Entspannt geniessen wir unser Aprés Bike auf der Terasse und schauen dem Treiben auf dem Pass zu.

Da der Gaviapass einer der klassischen Übergänge des Giro d‘ Italia ist, ist er dementsprechend beliebt bei den Rennvelofahrern. Es ist einiges los an diesem Traumtag. Was hier an einem schönen Sonntag wohl so abgeht…?

Das Innere unserer Unterkunft gleicht einem Velomuseum. Unzählige Trikots und Bilder von vergangenen Giros hängen an der Decke und den Wänden. Viele Dramen und Geschichten wurden da oben schon geschrieben. Hier lebt der Mythos der Italienrundfahrt.

Das Abendessen ist dann so, wie man es sich in einem Rifugio gewohnt ist: Üppig und lecker.

Da ausser uns nur noch zwei andere Personen hier übernachten, kriegen wir zwei Viererzimmer. Haben daher also genügend Platz für unseren Gerümpel.

Ein sehr intensiver und happiger Tag ist zu Ende. Der Aufstieg zum Passo dell‘ Alpe mit der brutalen Steigung zum Rifugio La Baita und der steilen Strasse im oberen Teil verlangte uns alles ab. Das war mit Sicherheit einer der härtesten Aufstiege, den wir bisher mit dem Bike gemacht haben. Morgen geht’s weiter. Da wartet der nächste heftige Anstieg auf uns!

Distanz: 39 km / Fahrzeit: 3 h 57 min / Höhenmeter: 1’950 Hm

Zurück zur 5. Etappe
Weiter zur 7. Etappe

Download

2 Gedanken zu „Transalp 2017, 6. Etappe: Bormio – Gaviapass

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.