Rhein-Walenseecross, 2. Etappe: Brigels – Chur

Einer der Spots, welcher ich unbedingt auf diesem fünftägigen Cross besuchen will, ist die Rheinschlucht. Schon so viel gelesen und gehört habe ich darüber, wie schön und einzigartig dieser Ort sein soll… Heute auf der zweiten Etappe des Rhein-Walenseecross ist es nun endlich soweit. Geplant ist, dass ich am Nachmittag die Schlucht per Bike durchqueren werde.

Zuerst gibt es aber ein leckeres Frühstück in meiner Unterkunft dem Hotel Surselva in Brigels. Ich habe sehr gut geschlafen und dementsprechend auch schon wieder Appetit. Obwohl ich der einzige Hotelgast bin, wird mir ein Rührei zubereitet. Auch sonst ist das Frühstück sehr abwechslungsreich hergerichtet. Ich bin begeistert. Eins ist klar: Beim nächsten Aufenthalt in Brigels werde ich wieder ins Surselva gehen. Das Zimmer war zwar eher einfach und die Dusche auf der Etage doch das ist mir jeweils nicht so wichtig.

Nur das mit dem Wetter will noch nicht so ganz. Die Prognose für heute verheißt zwar Wetterbesserung im Verlaufe des Tages doch beim Start um neun Uhr regnet es immer noch ein bisschen. So ziehe ich erneut die Regenklamotten an.

Die Temperatur ist aber ganz angenehm und so radle ich als erstes dem Lag da Breil (Brigelsersee) entlang.

Schon bald entdecke ich talwärts die ersten Sonnenstrahlen. Sollte gut kommen heute!

Zu Beginn meiner heutigen Etappe folge ich der Mountainbikeroute Graubünden Bike Nr. 90. So geht es oberhalb Waltensburg auf den kurzen Aufstieg nach Andiast.

Nach dem schmucken Dörfchen fahre ich weiter ins Val da Pigniu hinein. Ich bin mutterseelen allein und genieße die Ruhe. Es ist etwas neblig doch von oben bleibt es mehrheitlich trocken. Wenn es mal regnet, dann nur kurz und in kleinen Dosen.

Nach einem kurzen aber knackigen Anstieg auf der anderen Talseite erreiche ich schon bald die kleine Ortschaft Pigniu.

Einen weiteren Aufstieg später komme ich dann in den Nebel rein. Die Alp Darpagaus auf 1’500m ist zugleich der höchste Punkt des heutigen Tages und einer der höchsten des ganze Cross‘. Viel weiter geht es wegen des Schnees im Moment eh nicht.

Rasch bin ich wieder zur Suppe raus und erreiche auf einer flotten Schotterpiste die nächste verschlafene Ortschaft, welche sich Siat nennt.

Ich mag solche urtümlich erhaltene Ortschaften sehr und achte bei der Planung einer Tour stets darauf, dass ich diese nach Möglichkeit mit einbeziehen kann.

Wenig später folgen Ruschein und etwas weiter oben Ladir.

Im Restaurant Lazy-Mountain in Ladir gönne ich mir eine ausgezeichnete Portion Capuns.

Ich bin ein großer Fan dieser Bündner Spezialität. Immer wenn ich im Kanton Graubünden bin, muss es mindestens einmal Capuns geben.
Nach dem feinen Essen starte ich zum nächsten Aufstieg. Erneut soll es in ein Seitental hineingehen um danach nach Falera zu gelangen.

Ganz hinten im Val da Cafegns werde ich durch ein „Holzschlag Fahrverbot“ von meiner Weiterfahrt abgehalten. Auch hat es eine Information am rechten Wegrand, auf welcher steht, dass die Strasse nach Falera gesperrt ist. Ich ärgere und frage mich, weshalb es vorher keinen Hinweis darauf gab? Weshalb erfährt man erst ganz zu hinterst im Tal, dass der Weg nach Falera gesperrt ist? Und was machen die Wanderer, welche zu Fuss unterwegs sind? Die laufen locker eine Stunde zurück bis nach Ladir. Ich hab wenigstens ein Bike dabei…
Ich bin ein wenig sauer doch für mich ist klar: Dieses Verbot wird respektiert. Die Sicherheit kommt zuerst und gut fürs Image von uns Bikern ist es ganz bestimmt auch nicht, wenn ich da mit meinem Drahtesel auftauche und die Holzfäller am arbeiten sind. Zudem sind ganz klar Geräusche von Motorsägen zu hören und somit ist der Fall eh klar.

Ich checke noch kurz die Karte doch es gibt keine Alternative. Es bleibt mir nur der gleiche Weg zurück. Gerne wäre ich nach Falera gefahren denn ich war noch nie dort. Dann halt das nächste Mal…

Während ich wieder zurück kurble rege ich mich immer noch auf, weshalb man es nicht fertig brachte, beim Taleingang eine Info anzubringen. Oder habe ich was übersehen…?
Und tatsächlich: Bei der letzten Abzweigung ist die gleiche Info wie vorher beim Verbot auch schon angebracht. Nun ärgere ich mich natürlich über mich selbst. Ok, die Hinweistafel unterhalb der Wegweiser ist nicht gerade groß, doch sollte ich solche Sachen eigentlich schon sehen und auch beachten.

Nun gut, es gibt schlimmeres. Rasch bin ich wieder in Ladir und in Ruschein. Hier fackle ich nicht lange und fahre den schnellst möglichsten Weg nach Illanz runter. Im Moment ist es mir nicht gerade nach einem Experiment denn unten wartet ja noch die Rheinschlucht. Also ab ins Tal!

In Illanz fahre ich kurz durch den verkehrsreichen Dorfkern und zweige dann links zum Rhein ab. Der dortige Trail ist sehr flowig und wunderschön. Diesen Abschnitt hätte ich verpasst, wenn ich über Falera gefahren werde. Hat also alles seine Vor- und Nachteile…:-)

Zwischendurch gibt es mal eine etwas gar grosse Wurzel, eine zu enge Stelle oder einen Absatz, der nicht zu fahren ist. Doch das meiste ist Flow pur und macht grossen Spass!

Bei der Station Valendas-Sagogn wird das Tal schmäler und es beginnt die legendäre Rheinschlucht. Darauf habe ich mich lange gefreut. Schon viele Bilder, Videos und Berichte anderer Blogger habe ich davon schon gesehen… doch jetzt bin ich endlich dran.

Nach der ersten schönen Trailpassage folgt bei Isla eine kurze Stelle auf einer Schotterstrasse.

Danach wird’s interessant. Der Trail geht zum Fluss runter und ist wunderbar fahrbar.

Danach folgen die bekannten Abschnitte auf den Moränen. Ziemlich coole Geschichte hier entlang zu biken. Das fährt man definitiv nicht alle Tage!

Für das perfekte Foto fehlt nur noch die Durchfahrt der Eisenbahn…;-)

Aber aufgepasst! Die Rheinschlucht ist in meinen Augen nicht unbedingt eine reine Flowautobahn. Das Meiste ist flüssig fahrbar, doch immer mal wieder gibt es kurze und knackige Gegenanstiege und gegen Ende auch mal ein paar Wurzeln zuviel, so wie auf den nächsten beiden Bildern zu sehen.

Aber klar: Der Trail macht grosse Freude und ist eine supertolle Sache. Und nur schon die Schlucht ist optisch ein absoluter Hingucker!

Beim Bahnhof Versam-Safien ist der Rheinschluchttrail zu Ende. Ein tolles Erlebnis und super, dass ich dies jetzt auch mal befahren konnte!
Weiter geht es rund 250 Hm bergauf bis nach Versam. Von der Strasse aus hat man immer mal wieder einen tollen Ausblick auf die Schlucht.

Die Strasse von Versam nach Bonaduz ist dann ziemlich cool. Sie führt genau oberhalb der Rheinschlucht durch und passiert einige kleinere Tunnels.

Kurz vor Bonaduz geht die Strasse über 2 km schnurgeradeaus. Das habe ich noch nie gesehen. Danach gelange ich wieder an den Rhein bis ich Tamins erreiche.

Der Radweg nach Chur runter ist schlicht genial. Dieser ist sogar mit einer Galerie geschützt und geht ziemlich direkt in die Alpenstadt runter.

Um etwa halb sechs erreiche ich nach einem langen Tag meine heutige Unterkunft. Es ist dies das Ambiente Hotel Freieck in Chur, welches mitten in der Altstadt an ruhiger Lage liegt.

Der Empfang ist sehr freundlich und ich kann mein Bike in einen abschließbaren Innenhof stellen. Das Zimmer bietet alles was ich für eine Nacht brauche. Das Bad ist speziell schön eingerichtet und nebst einer herkömmlichen Duschbrause hat’s zusätzlich eine Regendusche.

Auch der Blick von meinem Zimmerfenster auf die Churer Altstadt darf sich sehen lassen.

Leider hat das Hotel Freieck kein Restaurant. In Chur ist dies selbstverständlich kein Problem und so gönne ich mir eine feine Pizza in der Pizzeria Mamma Mia.
Danach schlendere ich noch ein bisschen durch die malerische Altstadt von Chur. Sehr sehr schön hier.

Ein langer Tag ist zu Ende. Wie gestern habe ich auch heute wieder sehr viel gesehen und entdeckt. Klar waren aufgrund der Rheinschlucht die heutigen Eindrücke etwas intensiver als noch gestern. Und eines ist sicher: Morgen wird’s erneut interessant werden.

Distanz: 74 km / Fahrzeit: 6 h 1 min / Höhenmeter: 1’600 Hm

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9 Gedanken zu „Rhein-Walenseecross, 2. Etappe: Brigels – Chur

  1. Ganz toller Bericht! Die Ruinaulta steht auf meiner To-Do-Liste nun auch ganz oben. Ich kenne ja die Rheinschlucht aus jungen Jahren, da war selbige auch mit dem Kayak ein absolutes Highlight, wobei hier die besten Passagen erst von Versam an bis Reichenau aufwarteten. Aber nun muss ich wirklich einmal mit dem Bike runter fahren!

    • Hey Marc, danke für Dein Kompliment. Die Gegend bietet sich sehr gut an, um diverse Sportmöglichkeiten auszuprobieren. Na dann mal los mit dem Bike – ab in die Schlucht :-)!

  2. Die Rheinschlucht ist immer ein Besuch wert … und kann sogar in beide Richtungen gefahren werden. Auch rund um die Schlucht selber gibt es viele Möglichkeiten und tolle Trails. Also auch ideal für eine ausgiebige Tagestour.

  3. Coole Sache mit deinem Mehrtagescross. Da warst du ja in meiner erweiterten Heimat unterwegs. Die Rheinschlucht habe ich schon etliche Male durchfahren. Jedes Mal ein Highlight. Noch ein Tipp: Von Versam könntest Du auf unzähligen Trails bis nach Chur. Was dann halt die Tourenzeit etwas verlängert. Bin gespannt auf die weiteren Etappen.

    • Hallo Hans.

      Ich habe von Versam auch ein paar Trails bis Chur (im speziellen bis Bonaduz) eingeplant. Doch es war schon 17.00 als ich in Versam war und ich wollte nicht allzu spät in Chur eintreffen. Deshalb dort die etwas schnellere Variante. Aber das Gebiet hat schon ein beträchtliche Fülle an Trails. Ein Grund, wieder mal hin zu gehen…:-)

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