Rhein-Walenseecross, 3. Etappe: Chur – Weesen

Der heutige dritte Tag meines Cross‘ beinhaltet zwei Spots, welche ich schon lange mal befahren möchte. Das ist zum einen die Bündner Herrschaft mit den malerischen Dörfern und den schönen Weinbergen. Am Nachmittag steht dann der Churfirstenpanoramatrail oberhalb des Walensees auf dem Programm. Das könnte trailtechnisch die grösste Herausforderung der ganzen fünf Tage werden. Bin auf jeden Fall sehr gespannt…

Zuerst steht aber ein leckeres Frühstück im Hotel Freieck in Chur bereit. Ich genieße die ruhige und angenehme Atmosphäre in diesem Haus. Hier werde ich gerne mal wieder zurückkehren, wenn in Chur mal wieder übernachten möchte.

Dann geht’s los. Heute Vormittag werde ich mehr Tourenradler als Biker sein denn bis nach Walenstadt gehts fast ausschliesslich auf Velowegen entlang. Mich stört das nicht denn auch so sieht man viel von der Umgebung und kommt ordentlich voran. So biege ich gleich beim Bahnhof Chur auf die Rhein Route Nr. 2 ein und werde dort auch noch ein wenig verbleiben. Bis Zizers geht’s alles gemütlich dem Rhein entlang.

In der Nähe von Landquart überquere ich den gleichnamigen Fluss.

In dieser Gegend hat es ein weitverzweigtes Radwegnetz von Veloland Schweiz. Die vielen Wegweiser der diversen Routen bestätigen dies.

Bald befinde ich mich in der Bündner Herrschaft. Wie eingangs erwähnt wollte ich hier schon lange mal hin. Passend für mich, dass die Rheinroute hier den Talboden verlässt und ebenfalls durch dieses bekannte Weinanbaugebiet führt.

Die wunderschönen, altertümlichen Dörfer Malans, Jenins, Maienfeld und Fläsch laden zum verweilen ein.

Zudem habe ich das Gefühl, dass man hier mehr oder weniger überall Wein degustieren kann. Auch auf das Kulinarische wird Wert gelegt, entdecke ich doch bei den Eingangstüren der Restaurants einige Gault-Millau Schilder mit den erreichten Punkten drauf.

In Maienfeld, der vielleicht schönsten der vier Ortschaften, wird gerade gebaut. Trotzdem ist auch hier klar, dass es sich um ein weiteres wunderschönes Dorf handelt.

Obwohl ich hier keinen einzigen Meter Trail befahre genieße ich dieses herrliche Gebiet. Ich liebe solch historische Dörfer, wo man nur erahnen kann, was die Häuser für Geschichten erzählen würden, könnten sie denn sprechen…

Nach Fläsch bin ich schnell wieder im Talboden und überquere bei der Fläscher Brücke den Rhein. Der Abstecher zur Bündner Herrschaft hat sich definitiv gelohnt. Das nächste Mal muss ich dann unbedingt ein Glas Wein trinken gehen… oder zwei… Ob ich mal mit meinem Transalpkumpel Benno hierher gehen muss…? 🙂

Ich telephoniere noch kurz mit meinen Eltern. Die kommen gerade von ihrem Urlaub aus dem Südtirol zurück und würden in etwa gut eineinhalb Stunden in Walenstadt sein. Das trifft sich super, werde ich doch auch etwa dann dort sein. So sollte einem gemeinsamen Mittagessen nichts im Wege stehen…

Meine Route führt weiterhin auf den markierten Velowegen von Veloland Schweiz. Fast ausschliesslich geht es dabei abseits der grossen Verkehrsströme. Sehr schön hat man das hier ausgewählt.

Inzwischen habe ich die Rheinroute Nr. 2 verlassen und radle auf der Seenroute Nr. 9 in Richtung Walensee.

Dank leichtem Rückenwind komme ich zügig voran. Der Radweg führt sehr direkt und ohne Umwege durchs Tal.

Um halb eins bin ich in Walenstadt. Da ich grundsätzlich nicht so gerne solch lange flachen Passagen fahre, hatte ich im Vorfeld etwas Respekt vor diesem Abschnitt. Doch erstaunlicherweise fühle ich mich immer noch sehr gut und freue mich jetzt auf das Mittagessen mit meinen Eltern. Nach einem kurzen Telefonat ist klar, dass es noch eine gute halbe Stunde dauern wird bis zu deren eintreffen.

Das passt mir eigentlich ganz gut. So kann ich in Ruhe ein Restaurant aussuchen. Da ich ein grosser Fan unserer schweizer Seen bin, möchte ich natürlich am Walensee was essen. So fällt meine Wahl auf das Restaurant Seehof.

Auch einen Bikeständer hat’s vor der Gartenterasse. Passt also.

Das Wiedersehen mit meinen Eltern ist dann sehr herzlich und selbstverständlich gibt es viel zu erzählen. In Kaltern könne man auch gut biken, erfahre ich…
Nach einer feinen Portion Schnitzel-Pommes führt meine Reise wieder weiter, während Mami und Papi sich noch einen Kaffee gönnen.

Für mich steht der nächste spannende Teil des Rhein-Walenseecross auf dem Programm.

Unmittelbar in Walenstadt beginnt der Aufstieg zum Walenstadtberg. Bereits hier fahre ich auf der Mountainbikeroute Nr. 479. Diese gipfelt dann in der trailigen Abfahrt nach Weesen. Auf fast keinen anderen Abschnitt der gesamten fünf Tage bin ich so gespannt wie auf diesen Downhill.

Aber eben, zuerst geht’s bergauf.

Die Steigung ist mehr oder weniger gleich steil und meine Beine machen immer noch super mit. Langsam aber sicher verlasse ich die Zivilisation.

Bei Hochrugg lege ich eine kurze Pause ein. Die Aussicht von hier oben ist klasse!

Weiter geht’s, immer noch bergauf.

Die Alp Schwaldis auf 1’434m markiert dann das vorläufige Ende des Uphills.

Auf einer Schotterstrasse stellt sich mir ein Schneefeld in die Quere. Problemlos kann ich es passieren. Ob es noch weitere solche Felder hat? Hoffentlich nicht…

Die Fortsetzung bis zum definitiv höchsten Punkt des Tages bei Säls auf 1’520 m ist schneefrei. Sieht also ganz gut aus, denke ich…
Auf der Infotafel steht geschrieben, dass aus Gründen der Sicherheit und des Wildschutzes der Abschnitt zwischen der Alp Sälis und Laubegg nur ab Anfang Mai bis Ende November zwischen frühestens 9 Uhr morgens bis spätestens 15 Uhr nachmittags zu befahren ist.
Nun, es ist leider bereits schon ein paar Minuten nach drei Uhr. Doch jetzt umkehren würde einen großen zeitlichen Verlust bedeuten. So setzte ich meine Route fort.

Die ersten paar Trailmeter sehen super aus und sind mehrheitlich flowig.

Doch dann…

Ich trau meinen Augen kaum… Ein Schneefeld jagt das nächste. Geht das überhaupt? Komme ich da durch? Ich bleibe ruhig und schaue mir das ganze zuerst aus der Ferne an. Vielleicht doch umkehren und Zeit verlieren? Schlussendlich entscheide ich mich, auf der Route zu bleiben und das ganze langsam und konzentriert anzugehen.

Die Schneefelder sind teils sehr tief und ich sinke regelmäßig bis zu den Knien ein. Schon jetzt ist klar, dass es eine falsche Entscheidung war, diese Route zu wählen. Besser wäre gewesen, auf der anderen Seeseite zu fahren. Bringt nun nichts mehr, ich bin jetzt hier.

Ich komme ganz ordentlich voran und auch die Tragepassage im oberen Bild bringe ich gut über die Runden. Aber bei diesen Verhältnissen alleine eine solche Route zu machen ist eigentlich nicht die beste Idee, die man haben kann. Im Mai kann es hier einfach noch zu viel Schnee haben – so wie auch dieses Jahr.

Meinen Plan, um fünf Uhr in Weesen zu sein, kann ich bereits jetzt schon verwerfen. Trotzdem gibt es keinen Grund zu hetzten, denn das Wetter ist stabil und Zeit habe ich auch noch genug. Also cool bleiben und gemütlich weiter fahren… ähh, laufen…

Bei der Laubegg ist es dann endlich vorbei mit Schnee und es geht ab jetzt nur noch bergab.

Aber auch bei der Abfahrt muss ich viel zu oft absteigen, als dass Fahrfreude aufkommen könnte.

Der Trail ist sehr steil und regelmäßig verblockt. Die Nässe erhöht den Schwierigkeitsgrad zusätzlich.

Ich schiebe viel und schaffe es doch, ruhig zu bleiben. Was bringt es zu fluchen…? Rein gar nichts. Irgendwann werde ich dann schon in Weesen ankommen, sage ich mir.

Unten raus hat’s dann doch noch ein paar flowige und fahrbare Stellen. Der Schlussteil führt an ein paar sehr schönen Wasserfällen vorbei.

In Vorderbeltis balle ich vor Erleichterung die Faust, weil ich soeben wieder Asphalt unter den Stollen habe. Noch selten war ich mehr froh über ein Trailende als heute!

Das Schlussteil bis nach Weesen ist dann eine ziemlich coole Strasse der Felswand entlang. Auch ein paar kurze Tunnels hat’s auf dieser Strecke.

Ich bin dann schon ein wenig erleichtert, als ich meine Unterkunft in Weesen erreiche. Gebucht habe ich mein Zimmer in der Trattoria doch einquartiert werde ich im nebenan liegendem Parkhotel Schwert. Da sag ich natürlich nicht Nein. Mein Bike darf in der Reception übernachten.

Das Fazit zum Churfirstenpanoramatrail? Gut möglich, dass ich diesen Trail heute zum ersten und letzten Mal gefahren bin. Auch bei durchwegs trockenen und schneefreien Verhältnissen wäre dieses Ding wohl zu schwierig für mich. Zum ersten Mal war ich mit einer ausgeschilderten Tour von Mountainbikeland Schweiz etwas überfordert.

Auf dem Link zur Tour steht geschrieben, dass der Trail nur für technisch versierte Biker ist. Dies ist zu 100% der Fall. Wer hier also Fahrspass erleben möchte, sollte sein Bike und seine Fahrkünste sehr gut im Griff haben. Dann lohnt sich diese Tour. Für mich aber war es schlicht eine Nummer zu gross.

Nach dem feinen Abendessen im hoteleigenen Restaurant geht’s auf den obligaten Verdauungsspaziergang durch das malerische Weesen. Auch hier wieder ein sehr schöner Ortskern mit vielen alten Gebäuden.

Ein langer und happiger Tag geht zu Ende. Morgen gibt es zwar etwas mehr Höhenmeter als heute aber die Etappe ist kürzer. So sollte ich etwas früher als heute in meinem geplanten Etappenort ankommen.

Distanz: 75 km / Fahrzeit: 6 h 34 min / Höhenmeter: 1’600 Hm

Zurück zur 2. Etappe
Weiter zur 4. Etappe

Kurzbericht auf Facebook

Download

20 Gedanken zu „Rhein-Walenseecross, 3. Etappe: Chur – Weesen

  1. Ich bin den Kurfirsten-Trail schon 2x gefahren und ich denke der Ruf ist besser als der Trail. S2-S3 und halt manchmal mental fordernd, weils schmal und steil ist.

    Landschaftlich ein Erlebnis, aber Biketechnisch gibt es besseres.

  2. Ciao Chregu, ich lese gerne deinen ehrlichen Bericht in dem man locker zugibt das es auch Etappen hat die einem eine Nummer zu gross sind. Der Zeit zu trotz mit sehr gelungenen Fotos. Ich freue mich schon auf die Weiterreise.

    • Hallo Shilaty. Vielen Dank für Dein Kompliment. Es ist mir stets wichtig, meine eigene Wahrnehmung in meine Berichte einfliessen zu lassen.
      Der Bericht der nächsten Etappe folgt schon bald!

  3. Um diesen Churfirsten-Trail war immer etwas Affentheater – mal war komplettes Verbot, dann gewisse Zeit offen, nach einem Unfall wieder geschlossen usw. Da wäre ein Abstecher in die Flumserberge wohl lohnender gewesen – aber weiss man’s im Voraus. Jedenfalls sind deine Berichte immer wieder interessant zu lesen und ich freue mich nach jedem gelesenen auf die nächsten. Beste Grüsse

    • Hallo Heinz,

      Ich habe irgendwo schon mal was mitbekommen, von den Reibereien am Churfirstentrail. Glaube, deswegen hat man den Trail auch aufgemacht für die Biker. Habe da aber zu wenig Infos darüber. Deshalb auch keine Erwähnung im Bericht was diesen Punkt angeht.

      Das nächste Mal geht’s dann bestimmt auf die Südseite des Walensees.

      Liebe Grüsse Chregu

  4. Hallo Chregu
    Ich kann den bereits getätigten Kommentaren nur beipflichten. Es gibt definitiv besseres als der Churfirsten-Panoramatrail. Da wo du die Schneefelder hattest, ist es auch bei schneefreien und trockenen Verhältnissen nicht wirklich ein Genuss, denn er ist sehr schmal und ausgesetzt. Ein Fehler und du stürzt ab. Obwohl ich das Meiste fahren konnte hatte ich für mich entschieden, dass dies das erste und letzte Mal gewesen ist. Hoffe deine weiteren Etappen sind nur noch mit erfreulichen Trails gewürzt.

    • Ich bin mir ebenfalls ziemlich sicher, dass der Trail auch bei trockenen Verhältnissen mir keine Freude bereiten würde!
      Die nächsten Etappen sind definitiv fahrbarer als diejenige :-)!

  5. Ich war ja schon gespannt auf deinen Bericht über den Churfirstentrail 🙂 Das Fazit hat mich nicht überrascht. Der Trail von der Laubegg runter ist definitiv nur bei sehr trockenen Verhältnissen empfehlenswert. Die Querung vor der Laubegg ist landschaftlich mit den Churfirsten sehr eindrücklich. Und der Trail finde ich ganz iO, auch wenn er teilweise ausgesetzt ist und Laufpassagen beinhaltet. Aber mit Schnee wie bei dir sicherlich kein Spass 😉
    Wie schon von den anderen erwähnt, hat der Trail seine Geschickte. Mich erstaunt trotzdem etwas, dass dieser Trail als offizielle Bikeroute ausgeschildert ist. Wieso kann man eine solche Route nicht einfach ohne Bikeverbot als normale nicht ausgeschilderte Strecke belassen? Da könnte man lange darüber diskutieren. Für mich braucht es nicht so viele offizielle Bikerouten. Was es braucht ist Rücksichtnahme und Toleranz auf dem Pfad, aber keine Verbote. Oft werden leider offizielle Bikerouten dazu missbraucht, dass andere Trails für uns verboten werden, weil wir ja jetzt Bikerouten haben und diese benutzen sollen.
    Wie auch immer 🙂 ich wünsche weiterhin viel Flow auf dem Bike!

    • Meine Worte, Rotscher, meine Worte! Ich kann dem von Dir geschriebenen nur beipflichten. Da gibt’s nichts mehr hinzu zu fügen!

  6. Noch eine Geschichte zu diesem Churfirsten-Trail. Ich hab einen Kollegen in Flums, der hat mal auf Säls zwei ältere Herren mit E-MTB’s daran gehindert den Trail in Angriff zu nehmen. Ohne Motoren hätten sie es wohl nicht bis Säls rauf geschafft.

    • Richtig, diese „Bierbauch“ E- Mtb’s sind gefährlich, ohne Unterstützung kommen einige sicher nicht auf gewisse Trails….

    • Der Aufstieg ist zwar aufgrund Asphalt und mehr oder weniger gleichbleibender Steigung ganz gut zu machen. Trotzdem sind es rund 1’000 Hm und diese sind auch nicht zu unterschätzen!
      Ja, mit den E-Bikes kommen heute alle überall hin! Aber das ist wieder ein anderes Thema.

  7. Sali Chregu, ich las alle drei Berichte, super wie immer. Gott sei Dank wusste ich nichts von deinen mörderischen Fahrten. Wünsche dir noch schöne Pfingsten, liebe Grüsse – usem Heimeli

  8. schön abenteuerliche eindrücke, bei den bildern kann ich deine erleichterung die tour gut überstanden zu haben gut nachvollziehen.
    die tour steht auch schon länger auf meiner wunschliste, steht sie auch jetzt noch, aber ich werde mir die wetterverhältnisse gut aussuchen.

    • Wenn man mir gesagt hätte, dieser Trail sei steil und schwer – ich hätt ihn mir trotzdem angeschaut.
      Der Input mit den Wetterverhältnissen ist sehr gut und wichtig!!!

  9. Ich bin den Trail je einmal im November und Dezember gefahren. Start im Nebel. Dann rauf in die Sonne-ein eindrückliches Erlebnis. Warum dieser Trail allerdings eine offizielle Route ist, verstehe ich (auch) nicht. Er scheint mir nur für versierte Mountainbiker mit viel Erfahrung eine gute Routenwahl-für alle anderen ein Murks und riskant dazu!
    Viva la Grischa und Grüsse aus Bonaduz!

    • So wie es aussieht, sind die Kommentatoren zu diesem Bericht mehr oder weniger alle der gleichen Meinung… Danke auch Dir zu Deinem Feedback.
      Liebe Grüsse, Chregu

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.